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Komm, wir malen eine Sonne ...

Gisela Steineckert gratuliert Frank Schöbel zum 65. Geburtstag

F rank hat Geburtstag. Er wird ... nein, das schreibe ich jetzt nicht, obwohl ich sonst verbreite, ein Jedes möge sein jeweiliges Alter zum eigentlichen erklären. Aber bei Frank ist das anders. Altern passt nicht zu seinem Wesen. Das ist mir deswegen auffällig, weil zu viele mit dem Altern ein Nachlassen ihrer Ansprüche an sich selbst mit einer Zunahme ihrer Forderungen an die Welt verbinden. Er nicht, er ist, der er war, und immer noch kommt etwas hinzu, was er vordem so nicht hatte.

Frank stammt aus Leipzig. Nun, die Sachsen haben über alle Zeiten zäh an ihrer Liebe zu den schönen Künsten festgehalten, auch wenn ihnen seit August dem Starken immer mal wieder etwas anderes stattdessen angeboten, gar aufgenötigt werden wollte. Das gilt für die Künstler wie für ihr hochsensibles, besonderes Publikum.

Durch mein Gedächtnis blitzen Bilder von Fernseh-Gala, Uraufführungen großer Programme, vollen Sälen, umgesetzter guter Unterhaltungskunst mit Kollegen, und wie oft da die große Gelegenheit nahezu vollkommen genutzt wurde: Spaß zu machen, gute Laune zu verbreiten und als Zuschauer dabei ein ruhiges Gewissen haben zu dürfen. Mit Frank blieben wir immer oberhalb der Gürtellinie. Ich habe diesen Künstler ins Herz geschlossen, als wir uns vor wohl vierzig Jahren bei einer Juryarbeit zum ersten Mal begegneten und ich beschämt war, weil er so herzlich über meinen bösen Verriss eines seiner ersten Filme in der Kino-Eule lachte. Es war ein ansteckendes Lachen, und ich fand mich doof. In seinem Metier gibt es ebenso viele Blender wie in allen anderen Künsten. Aber Frank blieb mir wichtig, weil ihm dies nie unwichtig geworden ist: Er arbeitet, feilt, ändert, verwirft, stellt alles in Frage und bleibt rastlos im Bemühen um die Verständlichkeit als Teil der Qualität. Bis zum letzten, zum großen Moment, bis zur Darbietung vor dem Publikum. Die Menschen im Saal haben seine Liebe, ihnen ist er treu, für sie ist ihm alles Herzliche und Ehrliche gerade gut genug.

Für den Charme rühme ich dich nicht, Frank, den hast du geschenkt gekriegt. Aber für das, was du bisher geleistet hast, gebührt dir Respekt und Liebe. Was du machst, das muss man können. Man muss in sich heilig halten, dass einem die Leute im Saal ins eigene Leben gehören, dass sie ehrlich zählen. Bei dir ist das so, bei allem, was du dir als Komponist, Sänger, Dramaturg und Autor für sie ausdenkst. Da bist du ganz bei dir, so habe ich dich immer erlebt, auch wenn du vorher hinter der Bühne krumm und schief dein bei den Proben verrenktes Kreuz hieltest, oder dir beim Fußball den Knöchel verstaucht hattest. Wenn aller Schmerz auf der Bühne phänomenal verschwindet, hat man die Gabe und kann sie behalten, indem man das Können immer neu erwirbt.

»Komm, wir malen eine Sonne«, oder »Weihnachten in Familie«, Duette und Lieder für Frank, gemeinsame Arbeit. Sie war mir eine Ehre. Vor Teilhabe an einer Partei hast du dich bewahrt, auch das habe ich verstanden, denn es hat dich nie von Parteinahme für alles Lebendige abgehalten. – Das Publikum wird dich weiterhin lieben, also rackere dich gefälligst weiterhin für uns ab. Danke, ich esse keine Torte. Nicht mal zu deinem halb-runden Geburtstag.

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