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Kritische Studie im Giftschrank?

FU-Präsidium hält Umfrage zum Studienabbruch von Bachelor- und Masterstudenten unter Verschluss

Studienabbrüche haben sich nach Einführung der Bachelorstudiengänge erhöht, lautet das Ergebnis einer vom Präsidium der Freien Universität (FU) erstellten Studie, die bisher nicht veröffentlicht wurde.

Es ist erst einige Wochen her, dass die Freie Universität von der Exzellenzinitiative als Elite-Uni ausgezeichnet wurde. AStA-Vertreter haben schon damals erklärt, dass sich die Situation der Studierenden dadurch keineswegs verbessern wird. Sie sollten schnell bestätigt werden. Der dem FU-Präsidium unterstehende Arbeitsbereich Controlling, der den Studienerfolg der neuen Bachelor-Studiengänge in den Fachbereichen Biologie, Chemie, Pharmazie, Erziehungswissenschaften, Psychologie, Kulturwissenschaften, Philosophie und Geschichtswissenschaften kontrollieren soll, kam zu einem ernüchternden Fazit. »Studierende geben in größerem Umfang als bisher ihr Studium auf und die Bewerberzahl für einen Studienplatz in einem höheren Semester hat sich verringert. Studierende sind entweder nicht daran interessiert, in ein höheres Fachsemester in den Bachelorstudiengängen an der FU zu wechseln, oder nicht in der Lage, entsprechende Leistungsnachweise, die für den Zugang in ein höheres Fachsemester notwendig sind, vorzulegen«, heißt es in der ND vorliegenden Studie.

Die Abgänge waren sowohl im geistes- wie auch im naturwissenschaftlichen Bereich festzustellen. So wird beim lehramtsbezogenen Biologiestudium ein »außerordentlich hoher Schwund« diagnostiziert, beim lehramtsbezogenen Chemiestudium werden ebenso »unakzeptabel« hohe Abgänge beklagt, gleiches gilt für den Studiengang Philosophie. Dort haben innerhalb des Studienganges mehr als die Hälfte der Kommilitonen ihr Studium abgebrochen.

Auch von einer kürzeren Studiendauer durch die Bachelorstudiengänge kann nach den Ergebnissen der Studie nicht die Rede sein. Danach kann nur von 30 Prozent der Studierenden der untersuchten Jahrgänge ein Abschluss in der Regelstudienzeit erwartet werden. 38 Prozent werden mindestens ein Jahr mehr, ca. ein Drittel noch länger für ihre Abschlussprüfung benötigen. Für den Fachbereich Philosophie wird prognostiziert, dass ca. 14 Prozent der Studierenden »mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ihr Examen innerhalb der Regelstudienzeit von drei Jahren abschließen können«.

Aufgrund dieser Ergebnisse fordert die Studie eine bessere Betreuung von Studienanfängern. Außerdem sollen die Studierenden nach Möglichkeit die Zweitfächer wählen können. Auch Reformen bei der Kombination der Studienmodule werden angemahnt. Diese Module, die die bisherigen Haupt- oder Zweitfächer ersetzen, stehen schon lange in der Kritik von studentischen Fachschaften und auch dem FU-AStA. »Mich überraschen die Ergebnisse nicht«, kommentierte denn auch Claudia Wrobel vom Hochschulreferat des AStA die Ergebnisse der Studie. Schließlich habe nach der Einführung der Bachelorstudiengänge die Verschulung des Studiums zugenommen und der Verwaltungsaufwand habe sich noch erhöht. Viele Studierende fühlen sich außerdem durch die starren Modulregelungen eingeschränkt.

Damit darüber eine Diskussionen am Campus in Gang kommt, müsse die Studie öffentlich gemacht werden, fordert Wrobel und schließt sich damit der Kritik des studentischen Mitglieds im Institutsrat der Philosophiefakultät, Matthias Barthels, an. Der befürchtet, das der Bericht wegen seiner der FU-Leitung nicht genehmen Ergebnisse in den Giftschrank kommt. Der Sprecher des FU-Präsidenten Goran Krstin weist diese Vorwürfe gegenüber ND zurück. Doch eine Veröffentlichung der Studie sei nicht geplant, betonte er, denn es handele sich um ein »internes Arbeitspapier einer Verwaltungseinheit, das nicht zur Veröffentlichung gedacht war«.

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