Portugal setzt auf Windenergie

Ausgerechnet Frankreichs Atomriese EDF mischt als Großinvestor mit

  • Von Lisa Louis, Lissabon
  • Lesedauer: 2 Min.
Portugal gehört zwar zu den kleineren westeuropäischen Ländern, aber in Sachen Windenergie ist es ganz groß: In fünf Jahren wurde die Kapazität der Anlagen verfünffacht. Mit dabei ist ausgerechnet der zu Hause auf Atomkraftwerke fixierte französische Energiekonzern EDF.

Portugal produziert jährlich so viel Windenergie wie Frankreich, das sechsmal so viele Einwohner hat. Im Jahr 2007 lieferten Windräder bereits 9,3 Prozent von Portugals Strom. Damit ergatterte das Land die europäische Bronzemedaille in dieser Kategorie, gleich hinter Weltmeister Dänemark mit 21,3 Prozent und Spanien mit 11,8 Prozent. Das westlichste Land Europas besitzt Windanlagen mit einer Kapazität von rund 3000 Megawatt. »Die Geschichte der Windenergie in Portugal ist eine echte Erfolgsstory«, sagt Alvaro Rodrigues von der Universität Porto im Norden des Landes.

»Die Menschen hier haben verstanden, dass die Zukunft in den erneuerbaren Energien liegt«, so Carlos Pimenta, ehemaliger Staatssekretär für Umwelt in Lissabon und nun Chef der Abteilung Portugal beim französischen Stromproduzenten EDF Energies Nouvelles (EDF EN), der viel Geld in Portugals Wind steckt. »Im Gegensatz zu Frankreich gibt es keinen organisierten Widerstand gegen Windräder.«

In Portugal ist es friedlich. EDF EN ist Hauptaktionär des Ventominho-Windparks, der im Norden des Landes liegt und mit 240 Megawatt die zweitgrößte Windanlage auf dem europäischen Festland darstellt.

Neben reichlich Wind in dem Land am Atlantik ist die Infrastruktur ein Pluspunkt für Windkraftproduzenten, denn das Elektrizitätsnetz ist sehr dezentral aufgebaut, wie Carlos Pimenta betont. Portugals Gesetzgebung garantiert jedem Bürger das Recht, sich als Stromproduzent an das Netz anzuschließen und bis zu 6,68 Kilowatt einzuspeisen. Zudem unterstützt die Regierung die Windenergieproduzenten finanziell: 2001 führte sie einen Einspeisetarif von 88,2 Euro pro Megawattstunde ein. Dieser Betrag ist an die Inflationsrate gekoppelt und gilt für die ersten 15 Betriebsjahre. 2005 senkte Lissabon den Tarif um 15 Prozent auf 76 Euro pro Megawatt-Stunde.

Hinter dem Wohlwollen Lissabons gegenüber erneuerbaren Energien stehen internationale Abkommen: Laut dem Kyoto-Protokoll muss Portugal seinen Treibhausgas-Ausstoß zwischen 2008 und 2012 um acht Prozent senken. Bis 2010 soll der Anteil erneuerbarer Energien im Strommix 39 Prozent betragen – ein Richtwert, den die Regierung freiwillig auf 45 Prozent erhöht hat.

Auf europäischer Ebene wurde der Klimaschutz im vergangenen Dezember durch eine Direktive festgeschrieben. Damit hat sich die europäische Union drei Ziele gesetzt: Bis 2020 soll der Ausstoß an Treibhausgasen um 20 Prozent gesenkt, die Energieeffizienz um 20 Prozent verbessert und der Anteil an erneuerbaren Energien auf 20 Prozent erhöht werden. Alvaro Rodrigues sieht noch Reserven: Er schätzt das Windenergiepotenzial des Landes auf 7000 bis 7500 Megawatt.

Seit 2007 produziert das Land auch selbst Windräder. Damals schrieb die Regierung Windinstallationen von 1200 Megawatt aus. Das beste Angebot machte das Konsortium Eólicas de Portugal (EP) und verpflichtete sich damit gleichzeitig, Produktionsstätten für Windräder zu bauen. Inzwischen exportiert das Land sogar Windtechnologie.

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