Rätsel um Staubteilchen

Einfluss von Aerosolen auf Klima noch ungeklärt

Hamburg (ND). Es klafft eine Wissenslücke in der Klimaforschung: Seit Jahrzehnten fragen sich Wissenschaftler, ob und wie menschengemachte Aerosole, also in der Atmosphäre schwebende Staubpartikel, die Wolkenbedeckung vergrößern und somit die Klimaerwärmung bremsen. Zwei Forscher vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und von der US-amerikanischen »National Oceanic and Atmospheric Administration« schreiben nun in der Fachzeitschrift »Nature«, dass das Wechselspiel zwischen Aerosolen, Wolken und Niederschlag stark von Einflüssen abhängt, die bislang zu wenig erforscht wurden.

Treibhausgase, welche die Erdatmosphäre erwärmen, haben Gegenspieler: Staubteilchen, die in der Lufthülle schweben, so genannte Aerosole. Ein großer Teil der menschgemachten Aerosole entsteht aus Schwefeldioxiden aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen. Die Aerosole gelten als Klimakühler, weil sie als Kondensationskeime für Wassertropfen dienen. Je mehr Aerosol-Partikel in der Wolke schweben, desto mehr und kleinere Wassertröpfchen entstehen. Wolken aus kleineren Tröpfchen regnen nicht so schnell ab und reflektieren die Sonnenstrahlung ins All zurück.

Doch dieses Modell halten Bjorn Stevens und Graham Feingold für zu ungenau. Nach ihrer Literaturanalyse sind Stevens und Feingold zu dem Schluss gelangt, dass die Klimareaktion stark von der Wolkenart und dem Wolkenzustand abhängt. Bislang seien jedoch Prozesse in den Wolken nicht berücksichtigt worden, die dem Einfluss der Aerosol-Partikel entgegenwirken oder ihn sogar aufheben, schreiben die Forscher. Stevens und Feingold glauben, dass die Kühlwirkung der Aerosole wegen solcher Puffermechanismen eher gering ist. Stevens fordert deshalb ein Umdenken in der Aerosol-Forschung und zieht einen Vergleich zur Krebsforschung.

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