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Gesundheit für alle statt für Eliten

Alternativkonferenz zum Weltgesundheitsgipfel in Berlin kritisiert soziale Ausgrenzung

  • Von Katharina Zeiher
  • Lesedauer: 3 Min.
Beim ersten Weltgesundheitsgipfel kamen in der vergangenen Woche in Berlin Forscher, Politiker und Pharma-Unternehmen aus aller Welt zusammen, um sich über globale Gesundheitsfragen zu verständigen. Bei der Gegenveranstaltung »Public Eye on Berlin«, die zeitgleich tagte, wurde dagegen kritisiert, dass der Gipfel zu sehr unter dem Einfluss der Pharma-industrie stehe.

Durch ein weiß-rotes Absperrband sind die Privilegierten von den Benachteiligten getrennt. Links drei Männer in weißen Kitteln, vor ihnen auf dem Tisch große Gläser mit vielen bunten Pillen: Medizin für wenige im Überfluss. Rechts auf dem Asphalt liegt eine Notfallpatientin, daneben ein Arzt, der um ihr Leben kämpft, und eine blau gekleidete Menge, die hilflos zusieht. »Mit dieser Aktion wollen wir die dramatische Situation der Weltgesundheit symbolisch darstellen«, erklärt Dagi Knellessen vom Berliner Büro für medizinische Flüchtlingshilfe. »Die Ausgrenzung von Menschen aus dem Gesundheitswesen ist international und auch in Deutschland in vollem Gange.«

Mit der Aktion am vergangenen Freitag begann die Alternativveranstaltung »Public Eye« (Auge der Öffentlichkeit) zum zeitgleich in der Charité stattfindenden Weltgesundheitsgipfel, dem World Health Summit (WHS). Beim WHS versammelten sich auf Initiative der Charité Universitätsmedizin und der Université Paris-Descartes internationale Mediziner, Politiker, Vertreter von Pharma- und Technologiekonzernen und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Ziel war es, eine Allianz aus privaten und staatlichen Akteuren zu bilden, die »zur Lösung von globalen Gesundheitsfragen beitragen« soll, wie es in einer WHS-Pressemitteilung heißt.

Gegen das Expertentreffen hatte sich ein Bündnis aus gesundheits- und entwicklungspolitischen Initiativen und Teilen der Gewerkschaften unter dem Motto »Public Eye on Berlin« formiert.

Während Limousinen vor dem Tagungsgebäude neben dem Charité-Hochhaus an der Luisenstraße vorfuhren und rund 200 WHS-Teilnehmer der ersten Veranstaltung lauschten, begann – nur wenige Meter entfernt – die Pressekonferenz der Gipfelgegner. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach kritisierte dort, dass die Benennung in Weltgesundheitsgipfel »den Eindruck erweckt, als sei das ein Treffen im Gesamtinteresse.«

Dabei stehe »der WHS im großen und ganzen unter dem Einfluss der Pharmaindustrie«, ergänzte Katja Maurer von der Hilfsorganisation medico international, die den Alternativgipfel initiiert hatte. Sie forderte, dass ein wirklicher Weltgesundheitsgipfel sich mit den »sozialen Fragen beim Zugang zu Gesundheit« beschäftigen müsse.

Die sozialen Ursachen von gesundheitlicher Ungleichheit und die schlechte Weltgesundheit waren somit die zentralen Themen des »Public Eye«. Während der Live-Schaltung zu einer Organisation für Basisgesundheitsversorgung im indischen Bangalore erschien WHS-Präsident Detlev Ganten bei der Alternativkonferenz, im Schlepptau eine Schar von Kamera-Teams. Der WHS sei »nicht perfekt, nicht bunt genug, nicht global genug«, gab Ganten vor seinen Kritikern zu. Doch dass die Pharmaindustrie das WHS-Programm beeinflusst habe, wollte er nicht gelten lassen: »Dominanz gibt es nicht«, so Ganten. »Es sind alle Player mit dabei.«

Bevor Ganten die Alternativkonferenz wieder in Richtung WHS verließ, forderte er zu »zehn Sekunden« Stille anlässlich des internationalen Tags gegen die Armut auf. Ins Gelächter der Anwesenden hinein sagte Maurer von medico international: »Der Kampf gegen die Armut ist unser tägliches Brot. Sie werden verstehen, dass es für uns mit einer Schweigeminute nicht getan ist.«

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