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Wenn ein Blinder eine Zugreise tut

Deutsche Bahn räumt Mangel an Service ein

  • Von Peter Jähnel, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Bahnfahrten sind für Blinde oft eine abenteuerliche Hindernistour mit ungewissem Ausgang. Die Deutsche Bahn AG verspricht Abhilfe.

Berlin/Cottbus. Joachim Haar steht hilflos vor dem Fahrscheinautomaten. Er will eine Zugfahrkarte kaufen und fährt mit dem Finger über die glatte Bildschirmfläche. Doch der Finger rutscht ab, weil es keine Bedienfelder für Blinde gibt. »Jetzt habe ich bestimmt drei verschiedene Befehle gleichzeitig ausgelöst«, mutmaßt Haar resigniert. Dann tastet er sich mit dem Blindenstock zum Fahrscheinschalter.

So wie dem Geschäftsführer des Brandenburger Blinden- und Sehbehindertenverbandes in Cottbus geht es vielen sehbehinderten und blinden Menschen in Deutschland. Denn Bahnfahrten sind für solche Passagiere oft eine abenteuerliche Hindernistour mit ungewissem Ausgang. Fehlende Blindenleitsysteme auf kleinen Bahnhöfen, dort kaum Ansagen bei Veränderungen im Reiseverkehr, zu wenige Zugbegleiter oder zu knappe Zeiten zum Ein- und Aussteigen – die Liste der Beschwerden an die Deutsche Bahn ist lang.

Lautsprecher-Ansage fehlt

Der Brandenburger Verbandschef erhält öfter Schilderungen von Mitgliedern über ihre Abenteuer beim Bahnfahren. So beschwerte sich der blinde Peter Fritsch aus Senftenberg darüber, dass es auf dem Bahnhof der kleinen Lausitzstadt keine Lautsprecherdurchsagen mehr gibt. So habe Fritsch dort unlängst auf Bahnsteig 2 auf seinen Zug gewartet, der sei dann aber unerwartet auf Bahnsteig 4 eingefahren, erzählt Haar. »Bis er dies aber mitbekam, fuhr der Zug ab. Und er musste eine Stunde warten.« Manchmal werde ein Zug auch abgepfiffen, wenn Blinde noch den Knopf zum Öffnen der Tür suchen. Die Deutsche Bahn AG verweist darauf, dass trotz aller Fortschritte auf diesem Gebiet der große Nachholbedarf erkannt ist. »Wir sind dabei, das System der Barrierefreiheit für Menschen mit eingeschränkter Mobilität auf den Bahnhöfen zu verbessern«, berichtet Bahnsprecherin Gabriele Schlott. »Bereits drei Viertel der bundesweit 5400 Bahnhöfe sind für Behinderte ausgebaut, so der neue Berliner Hauptbahnhof und der Hauptbahnhof in Frankfurt am Main.«

Bisher seien 3250 Bahnsteige mit Blindenleitsystemen ausgestattet. »Beim Umbau von Bahnsteigen werden breitere und tiefere Rillenplatten verwendet», erläutert Schlott. Als Beispiele nennt sie die Bahnhöfe in Altheim (Hessen), Birkengrund (Brandenburg), Bad Aibling Kurpark (Bayern) und Thale (Sachsen-Anhalt).

Vielerorts barrierefrei

Michael Klingler vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband bestätigt: »Bei der Barrierefreiheit hat die Deutsche Bahn im Großen und Ganzen ein hohes Niveau erreicht.« Allerdings gebe es noch Probleme beispielsweise beim Fahrscheinverkauf. »Eine Lösung wäre ein Automat mit Tastaturen wie beim Telefon für einen Sprachdialog.« Es gebe dafür bereits Prototypen. »Bei großen Bahnhöfen sind Durchsagen bundesweit kein Problem, aber auf kleineren und generell im ländlichen Raum fehlen sie oft.«

Bahnsprecherin Schlott verspricht weiteren Erleichterungen: »Mit Mitteln aus dem Konjunkturprogramm des Bundes verbessert das Unternehmen die Information auf 1700 kleinen und mittleren Bahnhöfen«, erläutert sie. Dort sollen »dynamische Schriftanzeiger« am Bahnsteig die Fahrgäste über Änderungen per Bildschirm und Stimme informieren. Joachim Haar hofft, dass es diese moderne Technik auch bald auf dem Cottbuser Hauptbahnhof geben wird.

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