Bildungschancen

  • Bernd Zeller
  • Lesedauer: 2 Min.

Hinlänglich bekannt sind die Studien, denen zufolge Kinder aus einkommensschwachen Schichten in der Schule nur zu fortdauernder Einkommensschwäche ausgebildet werden. Weniger erforscht war jedoch, warum dieser Zusammenhang besteht in einer Gesellschaft mit frei zugänglichen Informationen, so dass das Entsetzen darüber immer auch begleitet war von dem Verdacht, die Eltern legten vielleicht nur zu wenig Wert auf die Bildung ihrer Kinder und seien selbstverschuldet bildungsfern.

Betrachtet man Unterricht und Methoden, wird klar, dass dieser Effekt nicht nur eine Nebenwirkung verfehlter Schulpolitik, sondern beabsichtigt sein muss. Wer noch lesen kann, möge sich festhalten, es ist nämlich so, dass in Grundschulen mancher Bundesländer das pädagogische Konzept ausgeübt wird, die Kinder Schreiben zu lehren, indem sie die Wörter so schreiben sollen, wie sie glauben, dass sie dem Klang nach geschrieben würden. Also ohne orthographische Bevormundung. Lehrer sollen ein falsch geschriebenes Wort nicht korrigieren, um das Kind nicht zu frustrieren, die Eltern werden angehalten, nicht zu helfen, um das pädagogische Konzept nicht zu gefährden. So wird es universitär gelehrt und gilt als wissenschaftlich belegt.

Ob mehr Geld für die Schulen helfen würde, die Lehrer aus dem selbst auferlegten Berufsverbot rückzuführen, ist mehr als fraglich, zumal es ganz gut ist, wenn diese Methode nicht auch noch mit besserer Ausstattung und in Ganztagsbetreuung ausgeübt wird. Der experimentelle Gewinn bezieht sich darauf, wie weit man gehen kann, ohne dass die Eltern meutern. Wer sich so was bieten lässt, neigt auch sonst nicht zu sozialen Unruhen.

Bessergestellte Schichten müssen zwar extra Geld aufwenden, um ihren Sprösslingen an anderen Schulen oder in privaten Stunden Lesen und Schreiben beibringen zu lassen, können dafür aber sicher sein, sie vor Konkurrenz womöglich begabterer, aber systematisch behinderter Gleichaltriger zu schützen.

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