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Hilfe für Kubas Helfer

Havanna stockt seine medizinische Präsenz in Haiti auf und braucht dafür Unterstützung

Havanna hat fast 1000 Ärzte und medizinisches Personal in Haiti im Einsatz. Solidaritätsgruppen rufen zu Spenden für die Mission auf.

Auch vier Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti kann Carlos Alberto García nicht ausruhen. Während Einsatzkräfte aus aller Welt ihre Nothilfe abgeschlossen haben, beginnt für den kubanischen Arzt ein weiterer wichtiger Teil seiner Arbeit. »Für uns geht die Notversorgung weiter, wenn auch auf andere Art«, sagt García, der Teil des Koordinierungsteams ist. Bislang stand die Erstversorgung der Verletzten im Vordergrund. Rund 50 000 Patienten wurden von den kubanischen Helfern versorgt, 3400 chirurgische Eingriffe durchgeführt. Bei knapp 1100 Patienten mussten nach Garcías Angaben Amputationen durchgeführt werden. Nun beginne der Kampf gegen Folgekrankheiten, sagt García: Durchfall- und Atemerkrankungen, Wundinfektionen, Parasitenbefall, Malaria und Typhus.

In mehreren Schritten hat die kubanische Regierung seit dem Beben am 12. Januar die medizinische Präsenz in Haiti aufgestockt. Nach Angaben der staatlichen Tageszeitung Granma sind inzwischen 838 Ärzte und medizinische Helfer vor Ort, unter ihnen 380 haitianische Mediziner, die in Kuba ausgebildet wurden. Die sind in den drei Krankenhäusern der Hauptstadt Port-au-Prince tätig und haben zusätzlich vier Feldkrankenhäuser aufgebaut. Zusätzlich wurden neun Zentren zur Rehabilitation Verletzter aufgebaut – eine medizinische Innovation für das chronisch unterversorgte Haiti.

Zu dem zweiten Stadium der Behandlung gehört nach Garcías Angaben auch eine Impfkampagne. Knapp 20 000 Patienten – vor allem Kinder – wurden in den Notlagern auf den öffentlichen Plätzen gegen Tetanus immunisiert. Mit im Gepäck haben die kubanischen Ärzte auch Dreifachimpfungen gegen Diphtherie, Masern und Keuchhusten.

Organisationen der Solidaritätsbewegung in Deutschland und der Schweiz rufen angesichts der massiven Hilfskampagne aus Kuba ihrerseits zur Unterstützung der kubanischen Ärzte in Haiti auf. Mit den Spendengeldern soll die medizinische Hilfsbrigade Henry Reeve unterstützt werden, die zusätzlich zu den bereits in Haiti arbeitenden kubanischen Ärzten in das Erdbebengebiet entsandt wurde. Die Brigade ist auf Katastrophenhilfe spezialisiert.

Getragen wird die Spendenaktion unter anderem von der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba, dem Verein Humanitäre Cubahilfe sowie dem Schweizer Verband mediCuba-Suisse. Nach Angaben der Vorsitzenden der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba, Renate Fausten, sind in den ersten Tagen der Aktion bereits über 2500 Euro Spendengelder allein auf dieses deutsche Konto eingegangen. Zugleich soll durch die Spendenaktion die humanitäre Hilfe des sozialistischen Kubas Anerkennung finden. Havanna, so erklärt Fausten gegenüber ND, hatte schließlich bereits nach den Verwüstungen durch Hurrikans 1998 Ärzte nach Haiti entsandt.

Auch auf parlamentarischer Ebene soll die kubanische Hilfsmission unterstützt werden. Die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei Heike Hänsel will die Regierung auffordern, ein altes Kooperationsangebot Kubas aufzugreifen. Nach den Hurrikanverwüstungen 1998 hatte der damalige kubanische Staats- und Regierungschef Fidel Castro die Industriestaaten zur Zusammenarbeit aufgerufen. Kuba werde Ärzte nach Haiti entsenden, die Regierungen der Industriestaaten könnten Medikamente, Materialien und medizinische Apparatur beisteuern, schlug Fidel Castro damals vor – ohne je eine Antwort zu erhalten. Nun will Hänsel die Initiative wieder aufgreifen: »Wir werden noch vor dem Europa-Lateinamerika-Gipfel im Mai in Madrid einen parlamentarischen Antrag vorbereiten und vorschlagen, dass Deutschland eine solche Entwicklungspartnerschaft mit Kuba zugunsten von Haiti aufnimmt«, sagte die Abgeordnete. Schließlich sei die lange Tradition internationaler Solidarität durch Kuba »weltweit einmalig und verdient unsere Unterstützung«.

Spenden unter dem Stichwort »Ärztebrigade in Haiti«: Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V.,
Postbank Köln, Konto 307 984 507
BLZ: 370 100 50

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