Wonnemonat fiel ins Wasser

Der Mai 2010 im meteorologischen Rückblick

»Im wunderschönen Monat Mai/ Als alle Knospen sprangen/ Da ist in meinem Herzen/Die Liebe aufgegangen«, reimte Heinrich Heine 1827. Auch im Volksmund wird der Mai gern als Wonnemonat bezeichnet, als Monat der Sinnesfreuden und der Lust. Historisch gesehen liegt hier jedoch ein Missverständnis vor. Zwar nannte man den Mai schon im Mittelalter »Wonnemond«; doch das war von »Wunnimanot« (= Weidemonat) abgeleitet und sollte die Bauern lediglich ermuntern, ihr Vieh wieder auf die Weide zu treiben.

In diesem Jahr wurde der Mai seinem Ruf als Freudenmonat eher selten gerecht. Kein Wunder, dürfte mancher Kenner von Bauernregeln nun sagen, denn eine davon lautet: »Ist der April zu schön, kann im Mai der Schnee noch weh'n.« Ganz so schlimm kam es freilich nicht, aber kühle Tage, Regenschauer und Gewitter gab es im Mai 2010 zuhauf. Nach Auskunft des Deutschen Wetterdienstes (DWD) lag die Durchschnittstemperatur bei 10,5 Grad Celsius und damit um 1,6 Grad unter dem langjährigen Mittelwert. So kühl war es im Mai seit 1991 nicht mehr. In Nord- und Ostdeutschland fiel das Thermometer sogar vorübergehend unter die Nullmarke. Die tiefste Temperatur wurde am 5. Mai in Faßberg bei Celle gemessen: minus 5,5 Grad. Erst in der letzten Monatsdekade gelangte wärmere Luft nach Deutschland. Am 25. Mai stieg im badischen Emmendingen die Quecksilbersäule auf 30,2 Grad Celsius. Danach allerdings gab es verbreitet heftige Gewitter, und die Temperaturen fielen wieder deutlich ab.

Anders als der April war der Mai deutlich zu nass und übertraf mit 104 Litern pro Quadratmeter (l/qm) sein Niederschlagssoll von 71 l/qm gleich um 46 Prozent. Besonders feucht war es in Teilen Bayerns und Baden-Württembergs sowie in den östlichen Bundesländern. In Magdeburg etwa wurde bereits am 9. Mai das Niederschlagssoll von 47 l/qm überschritten, so dass die Regenmenge am Ende des Monats rund 190 l/qm betrug.

Normalerweise strahlt die Sonne im Mai knapp 200 Stunden lang vom Himmel. Diesmal schaffte sie lediglich 118. Allein an den Küsten konnten die Menschen einige Sonnenstunden mehr genießen. Hingegen blieb der ostdeutsche Himmel häufig wolkenverhangen. Blickt man zurück auf die letzten 60 Jahre, dann war es nur 1983 und 1984 ähnlich trostlos.

Während der Mai des Jahres 2010 für Freilufthungrige eine Enttäuschung war, mögen viele Landwirte zufrieden sein. Eine Bauernregel nämlich besagt: »Regen im Mai, schafft für das ganze Jahr Brot und Heu.«

Auch wer die Absicht hegt, in den nächsten Wochen seinen Urlaub hierzulande zu verbringen, darf sich laut Bauernmeteorologie freuen. Denn: »Ein nasser Mai bringt trockenen Juni herbei.« Tatsächlich verabschiedet sich gegen Ende dieser Woche das kühle und feuchte Wetter. Ein Hoch dringt vom Atlantik nach Deutschland vor und beschert uns mehr Sonnenschein und deutlich höhere Temperaturen.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung