Die neue Welt ist wie die alte

  • Gerhard Dilger,Porto Alegre
  • Lesedauer: 2 Min.

Das in Rio de Janeiro am Freitag eingeweihte Megastahlwerk von Thyssen-Krupp zeigt, wie wenig sich in mancher Hinsicht zwischen Süd und Nord verändert hat: Die Steinkohle für die Hochöfen kommt aus Kolumbien, das Eisenerz aus dem Bundesstaat Minas Gerais (»Allgemeine Bergwerke«, der Name geht auf die Kolonialzeit zurück). In der hochmodernen Anlage am Atlantik sollen ab 2011 jährlich fünf Millionen Tonnen Stahlbrammen produziert werden, wegen der günstigen Logistik und billigen Arbeitskräften mindestens 15 Prozent günstiger als in Europa. Sie werden vollständig exportiert – 60 Prozent an ein neues Thyssen-Walzwerk in den USA, 40 Prozent nach Deutschland.

Zu den Rohstoffen, die Brasilien bereitstellt, gehört die Umwelt: Rios CO2-Ausstoß erhöht sich um 76 Prozent. Mangrovenwälder wurden abgeholzt, tausenden Fischern die Existenzgrundlage entzogen. Deren Proteste bis hin zur Hauptversammlung in Bochum ignorierte der Multi. Stattdessen bekommt Rios Umweltbehörde, die für die Überwachung des Stahlwerks zuständig ist, für die Renovierung ihrer Zentrale zwei Millionen Euro.

Der Bergbauriese Vale darf als Juniorpartner mitmachen: Er liefert das Erz und beteiligt sich mit 27 Prozent an der Großinvestition. Das Joint Venture mit den Deutschen sieht der in Brasilien höchst umstrittene Multi als ersten Schritt, um im Stahlgeschäft auf globaler Ebene Fuß zu fassen. Derzeit nämlich übertrifft die Stahlproduktion in Brasilien die Binnennachfrage schon um fast das Doppelte. Daher sucht Vale für weitere Großprojekte nach dem Rio-Muster Partner mit Absatzmärkten.

Für Präsident Luiz Inácio Lula da Silva belegt das Milliardenprojekt Brasiliens »Zuverlässigkeit« auf den Weltmärkten. Recht hat er.

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