Prinz auf Zeit

Jörg Jung ist Niedersachsens erster Karnevalsprinz im Rollstuhl

  • Ina Beyer
  • Lesedauer: 2 Min.
Personalie: Prinz auf Zeit

Am heutigen Samstag ist es soweit. Prinz Jörg Joachim I. wird in Göttingen gekürt – im normalen Leben heißt er Jörg Jung. In den nächsten vier Monaten soll Jörg Joachim I. über rund 100 Göttinger Närrinnen und Narren aus zwei Vereinen regieren. Am Faschingsdienstag – am 8. März – ist dann Schluss. Da, so will es der lokale Brauch, wird der Prinz beerdigt. Symbolisch, versteht sich.

Erst 22 Jahre jung ist Jörg Jung, der nach eigenen Worten schon seit seiner Kindheit davon geträumt hat, diese Rolle zu übernehmen. Er kommt aus einer völlig karnevalsverrückten Familie, »da geht das nicht anders«. Und deshalb ist Jung »wirklich stolz, dass ich das machen darf«.

Im normalen Leben arbeitet der Prinz in einer Behindertenwerkstatt. Er ist Rollstuhlfahrer. Nun hört man von Karnevalsprinzen mit Behinderungen nicht eben aller Tage. Und obwohl er im Göttinger Karneval gut integriert ist, ist sich der Prinz seiner besonderen Rolle bewusst: »Klar bin ich ein Vorbild«, sagt Jörg Jung. Er wolle anderen Behinderten als Beispiel dienen. Auch Rollstuhlfahrer könnten es schaffen, die öffentliche Aufgabe eines Karnevalsprinzen zu übernehmen. Zudem: Für alles, was ein Prinz nicht alleine kann, habe er schließlich einen Adjutanten. Der Rollstuhl sei nicht einmal richtig Thema gewesen, als es um seine Wahl ging.

Ähnlich sieht es auch sein Karnevalsvereins, die »Szültembürger Karnevalsgesellschaft Schwarz-Gold von 1948«. »Der Prinz ist Karnevalist durch und durch, warum soll er es dann nicht machen«, meint die Präsidentin der Proklamationssitzung, Renate Wallbrecht. Ja, Karnevalsprinzen mit Behinderung seien selten. Jülich hatte mal einen mit Down-Syndrom, vor langen Jahren soll es auch in Köln einen behinderten Prinzen gegeben haben. »In Niedersachsen ist er sicherlich der Erste«, ist Wallbrecht stolz. »Behinderte haben die gleichen Rechte wie andere auch.« Man solle sich deshalb keine Dünkel leisten und Menschen wegen einer Beeinträchtigung ausgrenzen.

In den nächsten Monaten wird Prinz Jörg Joachim I. jede Menge zu tun haben: repräsentative Aufgaben übernehmen, beim Faschingszug Kamellen werfen, den Einwohnern zuwinken. Regieren auf Zeit.

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