»Einen Partner brauche ich hier ja nicht«

Wir haben's einfach mal probiert: Frauen sind das tanzende Rückgrat der »Cross Country Hoppers«

  • René Gralla
  • Lesedauer: 3 Min.
Beschwingt den Stress des Tages wegtanzen: die »Cross Country Hoppers«
Beschwingt den Stress des Tages wegtanzen: die »Cross Country Hoppers«

Ein fröhlicher Hase ziert das Vereinslogo. »Cross Country Hoppers«, so heißt der Verein, dem sich Margit Schirmer aus Hamburg-Niendorf vor sechs Jahren angeschlossen hat. Und mit gut 30 gleichgesinnten »Querfeldein-Hüpfern«, die sich in drei Linien formiert haben, absolviert die 50-jährige Hausfrau nun eine Folge von ausgefeilten Schritten, nach rechts angetäuscht und links gesteppt, zwei forsche Stampfer und gleichzeitig locker geschnippt.

»Line Dance« in der Pausenhalle der Grundschule Heidberg im nördlichen Speckgürtel der Hansestadt. Jeans und Cowboystiefel als Outfit dominieren, aus dem Lautsprecher hören wir die Country-Sängerin Shania Twain. Der Gruppentanz ist ein US-Import und hat sich dort während des 20. Jahrhunderts entwickelt. Wobei die Wurzeln viel tiefer in die Vergangenheit reichen: Paarweises Gehopse und Gewalze ist aus kulturgeschichtlicher Sicht ein relativ neues Phänomen, rhythmische Bewegung im Kollektiv ist die ursprüngliche Version, die bereits für gute Laune in der Horde sorgte.

»Line-Dance«, der Mega-Klassiker, seit der Mensch die ersten Weisen geschrammelt hat. Und zugleich aktuell und ziemlich praktisch in der modernen Welt der Großstadtsingles. »Ich tanze gern, aber momentan habe ich gerade keinen Partner«, erzählt Andrea Grantz (35) dem ND-Reporter. Die Callcenter-Agentin ist vor zwei Jahren zu den »Cross Country Hoppers« gestoßen: »Einen Partner brauche ich hier ja nicht, und gleichzeitig habe ich in unserem Klub viele Gleichgesinnte gefunden.«

Andere wiederum leben zwar in einer Ehe oder festen Beziehung, doch die zweite Hälfte des Paarverbundes – meist sind es die Männer – hat sich mittlerweile verabschiedet vom Sturm und Drang, als alles begann. Damals ... als ohne Ende in der Disco durchgetanzt und später im gleichen Tempo höllisch verliebt die Party auf der sturmfreien Bude fortgesetzt wurde. Nun zieht es die Männer eher zum gemütlichen Fußball in der Glotze plus Bier und Chips.

Entsprechend hilft »Line Dance«, einen Modus vivendi zwischen den verschiedenen Präferenzen der Geschlechter zu finden. »Mein Mann hat einfach keine Lust zum Tanzen«, sagt Margit Schirmer, »na gut, dann bleibt er eben zu Hause.« Keine Überraschung demnach, dass die Frauen das Rückgrat der »Line Dance«-Szene bilden und die Herren deutlich in der Minderheit sind.

Einmal in der Woche treffen sich die »Cross Country Hoppers« zum Trainingsabend und üben mit ihrem Instructor neue Choreografien ein. »Step left to left, side swaying onto left, sway onto right, sway onto left, touch right beside left!«, kommandiert Übungsleiterin Anke Kohlsdorf, und diszipliniert folgt ihr die Truppe, niemand tanzt aus der Reihe, die bekannten Profis von der »River Dance«-Show können's auch kaum besser.

Linientreue, die – weil Tanz – ausnahmsweise mal Spaß macht. Und nebenbei noch die Generationen vereint: Zu den Jüngeren zählt die 18-jährige Kerrin, die sich von ihrer Mutter hatte überreden lassen, den »Line Dance« auszuprobieren. Inzwischen ist die Biologiestudentin selbst Fan geworden, es sei ziemlich entspannend, »den Stress des Tages in der Gruppe einfach wegzutanzen«, findet sie.

Zumal die »Cross Country Hoppers« nicht ausschließlich auf Countryseligkeit fixiert sind. Erst spielt Instructorlady Anke Kohlsdorf einen Bossa Nova an, dann folgt Shakira und holt ein wenig WM-Stimmung zurück in die Grundschule Heidberg: »Waka Waka«! Vielleicht jagt das ja doch die eine oder andere männliche Couch-Potato vom Sofa hoch.

Weitere Informationen unter: www.cross-country-hoppers.de

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