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PLATTENBAU

  • Thomas Grossman
  • Lesedauer: 2 Min.

Wer die Rockmusikerin PJ Harvey live spielen und singen hört, merkt schnell: Diese zierliche Engländerin hat mehr Rock 'n' Roll im Blut als manche Band mit großer Besetzung. Nun hat Harvey (41) ihr achtes Album vorgelegt: »Let England Shake«, ein Konzeptalbum gegen den Krieg. Für die Platte hat Harvey viel recherchiert – vor allem las sie Geschichtsbücher. »Let England Shake« dreht sich zumeist um die Schlacht von Gallipoli 1915. Für die Briten war der Kampf gegen die Türken die verheerendste Schlacht im Ersten Weltkrieg – auf beiden Seiten fielen fast 250 000 Mann.

Fast eineinhalb Jahre schrieb Harvey an den Texten. Dann ging es an die Vertonung, die zumeist auf dem Zupfinstrument Autoharp vorgenommen wurde. Eingespielt wurde das Album mit kleiner Band in einer Kirche. Herausgekommen ist eine einmalige Mischung aus Folk, Pop und New Wave. Einige Songs leuchten hervor wie funkelnde Edelsteine. Ohne Zweifel: PJ Harvey hat ihr vornehmlich düsteres Meisterwerk geschaffen.

In dem vielleicht melodischsten Song des Albums, »The Glorious Land«, heißt es: »Wie ist unser herrliches Land gepflügt? Nicht durch einen eisernen Pflug, sondern durch Panzer und marschierende Füße... Was ist die herrliche Frucht unseres Landes? Die Frucht sind deformierte Kinder. Die Frucht sind Waisenkinder.« Immer wieder ertönt dazu ein englisches Horn, das zum Angriff zu blasen scheint. In dem rhythmischen »The Words That Maketh Murder« singt Harvey: »Ich habe Dinge gesehen und getan, die man vergessen möchte/ Soldaten, die wie Fleischklumpen fielen/ weggeblasen und erschossen, wie man es nicht für möglich hält/ Arme und Beine hingen in den Bäumen…« Und der vielstimmige Folksong »The Colour Of The Earth« erzählt die Geschichte des Soldaten Louis, der beim Kampf »in die vorderste Linie rannte und den ich nie wieder gesehen habe… Und wenn man mich fragt«, heißt es weiter im Song, »nach der Farbe der Erde an diesem Tag, die Farbe des Blutes, würde ich sagen.«

PJ Harvey hat gegenüber dem deutschen »Rolling Stone« betont, dass sie sich in den Songs um ein Gefühl der Zeitlosigkeit bemüht habe: »Für mich ist Krieg ein Kreislauf, der immer weitergeht. Vermutlich werden sich die Menschen so lange bekämpfen, bis wir alle tot sind.« Auf die Frage, wie sie zu England steht: »Ich liebe England – und ich hasse es. [...] Ich schäme mich für dieses Land – und ich bin stolz darauf. Weil ich mit diesen Gefühlen ringe, schreibe ich Songs.«

PJ Harvey: Let England Shake (Universal)

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