Werbung

Eine Frage der Moral

Kommentar von Olaf Standke

  • Lesedauer: 2 Min.

Die Fotos des toten Irakers Manadel al-Dschamadi im berüchtigten Gefängnis von Abu Ghoreib gingen vor mehr als sieben Jahren um die Welt, und die lachenden US-amerikanischen Soldaten über seiner Leiche riefen Abscheu und Empörung hervor. Der Terrorverdächtige war von seinen Peinigern während eines Verhörs mit einem Plastiksack erstickt – und dann eingefroren worden, um die Gräueltat zu verschleiern. Trotz diverser Untersuchungen wurde bisher niemand dafür zur Verantwortung gezogen. Nun endlich will John Durham Licht ins Dunkel bringen. Der Republikaner ist 2009 vom demokratischen Justizminister Eric Holder damit beauftragt worden, die international scharf kritisierten Verhörmethoden der CIA im Anti-Terrorkrieg der Bush-Ära zu überprüfen.

Die Proteste aus den Reihen des Geheimdienstes und der früheren Bush-Regierung folgten auf dem Fuß. Das alles könne die CIA nur nachhaltig demoralisieren, so das Argument. Aber auch Menschenrechtsaktivisten in den USA machen Druck. Sie sind vom Präsidenten schwer enttäuscht, scheinen vom erklärten Foltergegner Barack Obama aus dem Wahlkampf 2008 doch vor allem die wohlfeilen Worte übrig geblieben. Zumal die Liquidierung von Osama bin Laden Wasser auf die Mühlen all jener Hardliner ist, die das berüchtigte Waterboarding und andere »harsche« Verhörmethoden legitimiert sehen, weil erst sie die Fahnder auf die Spur des »Terrorfürsten« gebracht haben sollen. Bewiesen ist das keineswegs. Und die Debatte kann sich in einem rechtsstaatlichen Gemeinwesen auch nicht darum drehen. Denn Folter verstößt grundsätzlich gegen demokratische Werte und Moral.

Abonniere das »nd«
Linkssein ist kompliziert.
Wir behalten den Überblick!

Mit unserem Digital-Aktionsabo kannst Du alle Ausgaben von »nd« digital (nd.App oder nd.Epaper) für wenig Geld zu Hause oder unterwegs lesen.
Jetzt abonnieren!

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal