Studierende Arbeiterklasse?

Dana Ohlinger leitet eine Vereinigung studierender Arbeiterkinder in den USA

  • Lesedauer: 3 Min.

nd: Sie sind Präsidentin der »Working Class Student Union« in den USA. Was für eine Vereinigung ist das?
Ohlinger: Die Vereinigung der Studenten mit Arbeiterhintergrund - Working Class Student Union (WCSU) - ist eine Vereinigung von Studierenden aus der Arbeiterklasse, die als erste Generation in der Familie studieren. Sie agiert als die Fürsprecherin für diese Studierende und solche mit Armutshintergrund.

Was sind die Ziele der Vereinigung?
Wir versuchen den Studierenden aus Arbeiterhaushalten eine Stimme innerhalb der Universität zu geben und für uns einen sicheren Raum zu schaffen, in dem wir zusammenkommen und über unsere Erfahrungen sprechen können. Durch die Schaffung von Netzwerken geht es um die Unterstützung unserer Anliegen als Studierende der Universität und der Kommune von Madison.

Was unterscheidet die WCSU von anderen studentischen Gruppierungen?
Als Studierende aus dem Arbeitermilieu haben wir eine spezifische Identität gemeinsam, ein Thema, über das gewöhnlich nicht gesprochen wird. Wir arbeiten daran, dieses Schweigen und das damit einhergehende Stigma zu überwinden, so dass wir unseren Standpunkt vertreten und jene Dinge ansprechen können, die uns betreffen.

Welche sind das?
Zum Beispiel steigende Studiengebühren und dass Fragen der sozialen Herkunft im Lehrplan nicht auftauchen.

Wie ist Ihre Organisation an der Universität aktiv?
Die WCSU unterstützt und vertritt die Interessen von Studierenden aus der Arbeiterschicht und jenen, die als erste Generation an die Uni kommen. Wir bieten Arbeitskreise an, in denen es um soziale Ungleichheit und um die Klassenstruktur der Gesellschaft geht. Wir bieten Hilfe und Orientierung in Sachen Verwaltung und des universitären Betriebes an. Die WCSU kämpft dafür, dass das Studium auch für Studierende aus armen Familien erschwinglich ist. Wir lehnen deshalb die Erhöhung der Studiengebühren ab und treten für eine finanzielle Unterstützung bei der Beschaffung von Studienmaterialien ein.

Wann wurde die WCSU gegründet und was war der ausschlaggebende Grund?
Die Working Class Student Union wurde im Oktober 2007 an der University of Wisconsin von der Studentin Chynna Haas gegründet. Chynna wollte damit der Erfahrung Rechnung tragen, dass Studierende aus dem Arbeitermilieu an den Universitäten gemeinhin öffentlich nicht vorkommen. Mit der Gründung der WCSU sollte dieses Schweigen und die damit verbundene Diskriminierung aufgebrochen werden. Natürlich ging es auch darum, studierende Arbeiterkinder zusammenzubringen, damit sie sich untereinander austauschen können.

Wie viele Akteure und Mitglieder hat die WCSU?
Zur Zeit gibt es ungefähr zwölf aktive Mitglieder, die sich um rund 400 Studierende pro Jahr kümmern. Wir organisieren Kulturveranstaltungen und Seminare.

Fragen: Rudolf Stumberger

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