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Kumpel verschanzen sich mit Sprengstoff

Dramatischer Arbeiterprotest auf Sardinien: Bergleute drohen mit Selbstmord unter Tage

  • Von Wolf H. Wagner, Florenz
  • Lesedauer: 2 Min.
In Sardinien drohen 40 Bergarbeiter damit, sich selbst und eine von Schließung bedrohte Kohlemine zu sprengen.

In einer Blitzaktion haben 40 sardische Kumpel die Kohlemine von Nuraxi Figus bei Connesa besetzt. In einem Schacht in 373 Meter Tiefe haben sie sich mit 350 Kilogramm Sprengstoff verschanzt. Die Bergarbeiter drohen, im Falle der Nichtbeachtung ihrer Forderungen den Schacht und sich in die Luft zu sprengen. Weitere Arbeiter blockieren die Straßenzufahrten zum Grubengebiet, meterhohe Kohlehaufen versperren die Zufahrt. Der Protest der Arbeiter richtet sich gegen die Absichten des Unternehmens, die Kohlegruben von Sulcis im Südwesten Sardiniens zu schließen.

Die Arbeiter fordern von der Regierung Monti Zusagen über eine eventuelle Wiederaufnahme der Produktion oder über die Weiterverwendung der Schachtanlagen. Geplant ist, in den stillgelegten Flözen ein Kohlendioxidendlager zu schaffen. Dazu fordern die Bergleute vom Staat eine Investitionsbeihilfe von 200 Millionen Euro aus dem von Mario Monti angekündigten Wachstumsplan.

Der Protest der Minenarbeiter von Carbosulcis ist nicht der einzige Widerstand, den die Erwerbstätigen des Südwestens Sardiniens leisten. Vor einer Woche unternahmen die Aluminiumarbeiter des dort ansässigen amerikanischen Konzerns Alcoa eine spektakuläre Protestaktion: Vor dem Einlaufen der Tirrenia-Fähre in den Hafen von Cagliari sprangen Dutzende der Aluminiumwerker in das Hafenbecken, andere enterten das Schiff und machten auf ihre Misere aufmerksam: Der Konzern plant die Schließung dreier Werke in Italien und Spanien, 1500 Arbeitsplätze sind bedroht.

Das Gebiet von Sulcis ist das industrielle Herz der Insel. Die drohenden Werksschließungen könnten das wirtschaftliche und soziale Aus für die ganze Region bedeuten. Gewerkschaften und Regierung hatten ein Treffen zur Problematik für den 3. September vereinbart - die Konzerne konterten, indem sie die Werksschließungen bereits auf den Monatsersten vorverlegen wollten. Mit dem jetzigen Protest und der Ankündigung weiterer Kampfmaßnahmen wollen die sardischen Arbeiter auf ihre desolate Lage hinweisen. Dies umso mehr, als Regierungschef Monti jüngst ein »Ende der Krise in Aussicht« stellte.

Die Gewerkschafts- und Sozialverbände teilen diesen Optimismus nicht. Vertreter von CGIL und CSIL haben nach der Sommerpause einen »heißen Herbst« angekündigt.

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