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Von den Erdbeeren schwärmen die Marktkunden heute noch

Die Blumberger Gärtnerinnen betreiben ökologischen Landbau und suchen den Weg zu den Käufern, die den Sprung in die Marktwirtschaft erst ermöglichen Von ALMUTH NEHRING

Noch ist alles offen. Der Versuch, in der ehemaligen Schloßgärtnerei von Blumberg Gemüse, Obst und Kräuter ökologisch anzubauen, muß gelingen, sagen die Frauen des Gärtnerinnenhofes. Ihre Existenz hängt daran. Zur Zeit arbeiten sie in Blumberg, dieser brandenburgischen Gemeinde, die im Nordosten von Berlin liegt, als ABM-Kräfte. Doch in diesem Jahr muß die Betriebsgründung erfolgen. Dieses Projekt ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten.

Tomatenernte auf dem Blumberger Gärtnerinnenhof, auf dem in zwei Jahren fünf der sechs kaputten Gewächshäuser wieder instandgesetzt wurden Foto: Robert Grahn

mehr mit der Sanierung der Gewächshäuser und der Gebäude beschäftigen als mit dem Anbau von Gemüse, Obst und Kräutern. „Wir müßten uns öfter mal die Bilder von damals angucken, wenn wir fluchen“, schmunzelt Helga Rusch über ihre eigene Ungeduld. Jetzt muß noch der neu gebohrte Brunnen angeschlossen werden, dann verschwindet der letzte Graben.

Einige Dorfbewohner sind ?nicht' nur skeptisch,“ weil-:die Gärtnerei ' nicht ihren Ord-JriuhgsVötistelkmgeJirents'prieht.

Dieser Grund ist nur vorgeschoben. Schließlich war einmal fast das ganze Dorf in der LPG, und die Bewohner müßten wissen, was sie hinterlassen haben. Das -innen am Gärtnerinnenhof halten sie für neumodisch überdreht. Viele geben den Blumberger Gärtnerinnen keine Chance, weil sie ökologischen Landbau betreiben. Die Produkte seien zu teuer AufdiePattisson, die Tomaten, Zucchini und Erdbeeren- kommen keine ?sythetischen Pflanzenschutz- und leicht löslichen''mineralischen

Düngemittel. „Mir gefällt es so besser, obwohl die Ernte nicht mehr so üppig ist und sich in die Möhre auch mal eine Fliege eingefressen hat. Die Menschen haben immer mehr Allergien, sind krank, das liegt auch an der Ernährung“, ist Helga Rusch überzeugt. „Gespritzt haben wir früher reichlich“, erinnert sich Brigitte Gathow Da waren die Erdbeeren größer und billiger, aber sie haben nicht so aromatisch ge--schmeckt wie in- diesem' Jahr, fast'Wie Walderdbeeren. Von diesen'''Erdbeeren ''im' Juni

schwärmen die Kundinnen und Kunden auf den Märkten in Berlin immer noch:

Giseltraut Sabeh verabschiedet sich von den Frauen gegen Mittag. Der Laderaum des weißen Transporters ist voll. Sie fährt zum Leopoldplatz, wie immer am Dienstag. Dort ist Markt. Vorher bringt sie noch Basilikum, Petersilie und Schnittlauch in eine Küche in Westberlin. Die junge zierliche Frau, Mutter dreier Mädchen, hievt das Auto siciher durch den dichten Innenstadtverkehr; obwohl sie mit ihren

Gedanken ganz woanders ist. Der Tag der offenen Tür am 3. September beschäftigt sie.

Die Gärtnerinnen wollen ihre Arbeit der Öffentlichkeit präsentieren. „Wenn die Leute sehen, wie wir arbeiten, entscheiden sie sich vielleicht eher, etwas mehr Geld für ökologisch angebautes Gemüse auszugeben“, hofft Giseltraut Sabeh. Sie ist unermüdlich am Nachdenken. Von ihren Ideen, von ihrer Kraft lebt das ganze Projekt. Noch in diesem Jahr wird sie eine eigene Existenz gründen. Sie muß dieses Risiko allein eingehen, die anderen Frauen scheuen davor zurück. Wenn die Betriebsgründung geschehen ist, hofft die studierte und promovierte Agrarspezialistin auf Kredit. Die Gärtnerinnen bearbeiten den schweren Lehmboden noch wie zu Zeiten der Schloßgärtnerei im vorigen Jahrhundert.

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