Jahrhundert-Weltrekord von 1984

Der Potsdamer Uwe Hohn warf vor 20 Jahren den Speer 104,80 m weit

Es war ein denkwürdiger Tag - der Freitag, der 20. Juli 1984. Beim traditionellen Olympischen Tag der Leichtathleten im Berliner Jahn-Sportpark schleuderte der damals 22-jährige Postdamer Uwe Hohn den Speer 104,80 m weit. Exakt um 19.53 Uhr war damit ein Jahrhundert-Weltrekord geboren. Denn zum ersten Mal übertraf ein Speerwerfer die 100-Meter-Marke. Auf der Anzeigetafel erschienen damals nur 04,80 - für fünf Zahlen war auf der üblichen Tafel halt kein Platz. »Ein Wurf ist dann gelungen, wenn der Speer von hinten nur noch wie ein Punkt in der Luft erscheint. Das war hier der Fall«, beschrieb der neue Weltrekordler vom ASK Vorwärts Potsdam sein Husarenstück mit dem 800 Gramm schweren Sportgerät, das fast die gesamte Stadion-Rasenfläche überflog, ehe es sich in die Erde bohrte. Hohns »Rakete« wird für ewig unübertroffen bleiben. Denn der Leichtathletik-Weltverband beschloss, ab 1. April 1986 den Schwerpunkt des Speeres um vier Zentimeter nach vorn zu verlegen. Den Weltrekord nach der Regeländerung hält der Tscheche Jan Zelezny mit 98,48 m - erzielt am 25. Mai 1996 auf dem Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena. »Heute«, sagt Uwe Hohn, »wird viel mehr mit Kraft geworfen. Früher dominierte die Technik. Sie sollte meines Erachtens wieder mehr in den Vordergrund des Trainings gerückt werden.« Der 42-jährige Uwe Hohn - vor fünf Tagen feierte er Geburtstag - kann auf eine höchst erfolgreiche Karriere zurückblicken. Der gebürtige Rheinsberger holte sich schon 1976 mit 14 Jahren die Schüler-Meisterschaft im Speerwerfen mit 54 Metern, und als er 16 Jahre alt war, warf der junge Hüne zum ersten Mal über 70 Meter. 1980 flog sein Speer bereits 85,52 Meter weit. Nach einem Motorradunfall trumpfte der Motorradfreak Hohn erst wieder in Utrecht bei den Junioren-EM auf, wo er den Speer auf den neuen Junioren-Europarekord von 86,56 Meter schleuderte. 1982 wurde er in Athen mit 91,34 Metern Europameister. 1984 gewann er mit der neuen Bestweite von 93,80 Metern seinen ersten DDR-Meistertitel. Mit dem Weltcup-Sieg 1985 in Canberra mit 96,96 m setzte der 2-Meter-Mann Hohn den krönenden internationalen Schlusspunkt. Hohn litt in seiner aktiven Zeit unter Rückenproblemen. 1986 musste er sich zwei Mal einer Wirbelsäulen-Operation unterziehen. Schweren Herzens zog er die Konsequenzen, stellte den Speer in die Ecke und gab im Juli 1987 seinen definitiven Rücktritt bekannt. Der in Potsdam lebende Familienvater zweier Kinder ist heute Honorartrainer beim SC Potsdam. Seine eigenen sportlichen Aktivitäten sind allerdings eingeschränkt. »Wegen einer Versteifung meiner Wirbelsäule kann ich micht nicht mehr so bewegen wie früher. Ab und zu fahre ich ein wenig Rad, um fit zu bleiben«, erzählt er.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung