Werbung

Die Jugendsünden des Laurenz M.

Wie der Noch-Generalsekretär der CDU seine Karriere in der westfälischen Provinz begann

  • Gerhard Piper
  • Lesedauer: 2 Min.
Am 23. Oktober 2000 überraschte die CDU-Parteivorsitzende Angela Merkel die Öffentlichkeit mit der Ankündigung, der Provinzpolitiker Laurenz Meyer aus dem westfälischen Hamm solle neuer Generalsekretär der Christdemokraten werden. Heute gilt Meyer im politischen Parteiengerangel als harter Ausputzer, der »aus seinem Herzen keine Mördergrube macht«, wie die FAZ urteilte.
Die Karriere des Laurenz Meyer begann 1968 mit seinem Eintritt in die Junge Union. 1975 wurde er als CDU-Abgeordneter in den Hammer Stadtrat gewählt. Hier übernahm der Jungpolitiker zunächst die Position des Vorsitzenden des Jugendwohlfahrtsausschusses (JWA), der für die Jugendpolitik zuständig war. Am 18. April 1975 wurde nach jahrelangen Auseinandersetzungen endlich das städtische Jugendzentrum (JZ) in der Hammer Südstraße eingeweiht. Von Anfang an gärte es im neuen Jugendtreff. Die städtischen Honorationen waren schlecht beraten gewesen, als sie im April 1975 den Sozialarbeiter Wolfdietrich Fischer-Abendroth ohne Anhörung der Jugendlichen als JZ-Leiter eingesetzten. Schon bald entpuppte sich Fischer-Abendroth als Mitglied der rechtsradikalen »Europa-Scout-Legion«, die sich später in »Pfadfinderbund Deutschritter« umbenannte. Der Forderung der Jugendlichen nach Selbstverwaltung stand das Interesse der Stadtverwaltung gegenüber, eine möglichst umfassende Kontrolle ausüben zu können. Dazu setzte die Stadt am 23. Februar 1976 einen Jugendzentrumsrat (JZR) ein. Unter dem Vorsitz von Laurenz Meyer saßen hier Vertreter der Stadtverwaltung mit den Sozialarbeitern und Vertretern der Jugendlichen zusammen. Zunächst funktionierte das Duo Meyer und Fischer-Abendroth. Allerdings musste dessen rechtsradikale Gesinnung zu persönlichen und beruflichen Differenzen mit den anderen Sozialpädagogen im JZ führen. Doch nicht Fischer-Abendroth wurde entlassen, sondern die stellvertretende JZ-Leiterin Eva Borgert, nachdem sie sich zusammen mit Kollegen in einem Brief öffentlich geäußert hatte. Wolfdietrich Fischer-Abendroth wurde später in die Familienfürsorge versetzt und ein paar Jahre darauf aus dem öffentlichen Dienst entlassen. Damit war der Konflikt um das Jugendzentrum aber nicht beigelegt. Am 1. Januar 1977 verübten die so genannten Tupamaros Hamm einen Brandanschlag auf das Rathaus. Die Polizei konnte die Täter schnell ermitteln und damit einen Bombenanschlag auf das Auto von Meyer verhindern. Laurenz Meyer stieg 1989 zum Vorsitzenden der CDU-Stadtratsfraktion in Hamm auf, ein Jahr später saß er als Abgeordneter im Düsseldorfer Landtag. Zehn Jahre später ereilte ihn schließlich der Ruf Angela Merkels.
Abonniere das »nd«
Linkssein ist kompliziert.
Wir behalten den Überblick!

Mit unserem Digital-Aktionsabo kannst Du alle Ausgaben von »nd« digital (nd.App oder nd.Epaper) für wenig Geld zu Hause oder unterwegs lesen.
Jetzt abonnieren!

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal