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Renaissance des Irischen

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Zu den hoffnungsvollen Zeichen für das Bewahren gesamtirischer Identität zählen Edward und seine Freunde das wachsende Interesse an irischer Sprache und Kultur auch im Norden. Nicht nur Katholiken schreiben sich für die immer zahlreicher angebotenen Sprachlehrgänge ein. In den 26 Provinzen der Republik ist Irisch seit 1922 offiziell Landessprache. Rund ein Drittel der Bevölkerung bezeichnet sich als irischsprachig. Ein zweites Drittel hat passive Kenntnisse. Wirkliche Umgangssprache ist es wahrscheinlich für weniger als fünf Prozent, die sich in einigen Gebieten im Süden und Westen des Landes konzentrieren. Am engsten verwandt mit dem in Teilen Schottlands gesprochenen Gälisch, geht Irisch auf die Sprache keltischer Stämme zurück, die vor rund 1700 Jahren auf die Insel gelangten.

Weder Wikinger noch anglo-normannische Eindringlinge haben die Sprache auszulöschen vermocht. »Raidio na Gael-

tachta« und Fernsehprogramme in Irisch erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Artikel in irischer Sprache in den großen englischsprachigen Blättern haben nach Edwards Ansicht eher eine Alibifunktion. Über Rolle und Zukunft des Irischen gibt es bei allem Nationalstolz heftige Kontroversen. So mußte sich der neugewählte Toaiseach (Ministerpräsident) Bertie Ahern vorwerfen lassen, nur im Wahlkampf mit irischen Redepassagen aufgetreten zu sein. Ansonsten höre man ihn nur in Englisch. Der neue Ceann Comhairle (Parlamentspräsident) Seamus Pattison schneide besser ab.

Gerade diese irischen Titel, aber auch Namen und Begriffe würden von Ansagern englischer Programme des irischen Fernsehens oft falsch gelesen, klagte Sally O'Brien in einem Leserbrief an die »Irish Times«. Die selben Sprecher hätten zum Beispiel mit Netanjahu weniger Probleme. Aus den Unternehmerverbänden war - das zum Kontrast - vor einiger Zeit ein Angriff auf den Irischunterricht zu hören.

Er sei zu teuer und rechne sich nicht. Man solle statt Irisch neben dem Englisch lieber Deutsch lehren. Das diene der Wirtschaft und werde Irland als Standort für ausländische Investitionen noch attraktiver machen.

Zum Aufgeben des Pflichtfachs wird es mit Sicherheit nicht kommen. Regierung und Medien haben es übrigens nach dem Amsterdamer EU-Gipfel vom Juni als großen Erfolg herausgestellt, daß sich Iren künftig in ihrer Sprache direkt an die Brüsseler Zentrale der Union wenden können und Anspruch auf eine Antwort in Irisch haben.

Eine Renaissance erleben auch irische Lieder, Balladen und Traditionen, die weit in die Vergangenheit reichen. Zur Sommersonnenwende trafen sich rund 150 Druiden unserer Tage am Lia Fäil, dem Schicksalsstein, auf dem Hügel von Tara. Das war die vierte derartige Zeremonie seit mehr als 1500 Jahren. Die Druiden, einst geistige Träger einer gälischen Hochkultur, verfügten als gelehrte Stammespriester über bemerkenswerte astronomische Kenntnisse. Mit dem aufkommenden Christentum schwand ihr Einfluß. Erst 1993 feierte der von vielen katholischen Priestern ungern gesehene Kult seine Wiederauferstehung. Der Erzdruide Michael McGrath schloß in diesem Jahr die Friedenshoffnung für Nordirland in seine Beschwörungen ein. Mit der mentalen Kraft der Druiden sei ein großer Bergkristall aktiviert worden, dessen gebündelte Energie auch eine gute Ernte und einen milden Winter bewirken solle.

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