Dieser Text ist Teil des nd-Archivs seit 1946.

Um die Inhalte, die in den Jahrgängen bis 2001 als gedrucktes Papier vorliegen, in eine digitalisierte Fassung zu übertragen, wurde eine automatische Text- und Layouterkennung eingesetzt. Je älter das Original, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass der automatische Erkennvorgang bei einzelnen Wörtern oder Absätzen auf Probleme stößt.

Es kann also vereinzelt vorkommen, dass Texte fehlerhaft sind.

Egon Krenz befahl: Keine Waffengewalt

  • Lesedauer: 2 Min.

Zum Leserbrief »Eine Frage an Egon Krenz« von Henrike Dietze (ND vom 2. September):

Zum genannten Zeitpunkt war ich Leiter der Bezirksverwaltung Leipzig des MfS. Am Nachmittag des 8. Oktober 1989 übermittelte mir der damalige Stellvertretende Minister für Staatssicherheit, Generaloberst Mittig, den Befehl des Ministers Mielke, auf keinen Fall bei der für Montag, 9. Oktober 1989, angekündigten Großdemonstration Waffengewalt gegen Demonstranten anzuwenden. Das sei so von Egon Krenz in einer Beratung mit den Ministern für Nationale Verteidigung, Staatssicherheit und Inneres befohlen worden.

In einer Sitzung der Bezirkseinsatzleitung am frühen Morgen des 9. Oktober 1989 habe ich über den mir erteilten Befehl informiert. Von den anwesenden Mitgliedern gab es dagegen keine Einwände. In den Stunden danach wurde ich mehr-

mals von Minister Mielke persönlich auf die strikte Einhaltung des Befehls hingewiesen, alles zu tun, daß es zu keinem Blutvergießen kommt. Analoge Befehle erhielten auch die Leiter der bezirklichen Schutz- und Sicherheitskräfte durch ihre Vorgesetzten. Dem umsichtigen und von hoher persönlicher Disziplin getragenen Verhalten der mir damals unterstellten Mitarbeiter, den Einsatzkräften der Volkspolizei, Nationale Volksarmee und Kampfgruppen, aber auch der Beherrschtheit der Demonstranten in einer emotional stark aufgeheizten Situation ist es zu danken, daß es zu keiner der befürchteten Provokationen und Zusammenstöße gekommen ist. Von dem Aufruf zur Gewaltlosigkeit durch Leipziger Persönlichkeiten, darunter den drei Sekretären ,der SED-Bezirksleitung, hörte ich zu Beginn der Demonstration durch den Stadtfunk.

Manfred Hummitzsch Berlin

- Anzeige -

Wir haben einen Preis. Aber keinen Gewinn.

Die »nd.Genossenschaft« gehört den Menschen, die sie ermöglichen: unseren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die mit ihrem Beitrag linken Journalismus für alle sichern: ohne Gewinnmaximierung, Medienkonzern oder Tech-Milliardär.

Dank Ihrer Unterstützung können wir:

→ unabhängig und kritisch berichten
→ Themen sichtbar machen, die sonst untergehen
→ Stimmen Gehör verschaffen, die oft überhört werden
→ Desinformation Fakten entgegensetzen
→ linke Debatten anstoßen und vertiefen

Jetzt »Freiwillig zahlen« und die Finanzierung unserer solidarischen Zeitung unterstützen. Damit nd.bleibt.

- Anzeige -
- Anzeige -