Dieser Text ist Teil des nd-Archivs seit 1946.

Um die Inhalte, die in den Jahrgängen bis 2001 als gedrucktes Papier vorliegen, in eine digitalisierte Fassung zu übertragen, wurde eine automatische Text- und Layouterkennung eingesetzt. Je älter das Original, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass der automatische Erkennvorgang bei einzelnen Wörtern oder Absätzen auf Probleme stößt.

Es kann also vereinzelt vorkommen, dass Texte fehlerhaft sind.

Marx nannte die Ungarn die Helden von 1848

Mit Staunen vernahm ich, daß bei der Feier der Akademien zum 150. Jubiläum der Revolution von 1848 der Name Karl Marx nicht einmal erwähnt wurde. Da mögen doch nicht wenige mit den Ohren gewackelt haben. Wer sollte denn mit der Revolution, mit der Veränderung der Welt, mehr zu tun haben, als gerade dieser Mann? Karlen Vesper (»Schöner Marx und schmucker Petöfi«, ND vom 19. 3.) mag die leicht ironische Stimmung so richtig erfaßt haben, die die Feier kennzeichnete. Es drängt sich mir auf, hierzu einen kleinen Nachtrag zu liefern: Marx und Engels nannten die Ungarn die Helden von 1848, weil sie am längsten der Reaktion getrotzt hatten und für die revolutionären Ideen am wirksamsten eingetreten waren. In der »Neuen Rheinischen Zeitung« schrieb Engels Anfang 1849: »Zum ersten Mal in der revolutionären Bewegung von 1848, zum ersten Mal seit 1793, wagt es eine von der konterrevolutionären Übermacht umzingelte Nation, der feigen konterrevolutionären Wut die revolutionäre Leidenschaft, der terreur blanche (weißer Terror) die terreur rouge (roter Terror), entgegenzustellen. Zum ersten Male seit langer Zeit finden wir einen wirklichen revolutionären Charakter, einen Mann, der den Handschuh des Verzweiflungskampfes im Namen seines Volkes aufzunehmen wagt, der für seine Nation Dan-

ton iLtnd Carnot in einer Person ist - Ludwig Kossuth.«

Engels war derart begeistert von Kossuth, den er als den »größten Mann von 1848« bezeichnete, und von der ungarischen Revolution, daß er seinen Blick nichit nach Paris richtete, wo die Revolution zuerst aufgeflammt war, sondern nach. Ungarn, dessen Vorbild er für anzieh «mder und wirksamer hielt. Als Heinrich Heine vom Tode des »schmucken« Petöii hörte, der in der letzten Schlacht gegen die zaristischen Truppen, die Kaiser Franz Joseph zu Hilfe gerufen hatte, im Sommer 1849 gefallen war und er von der Niederschlagung des ungarischcra Freiheitskampfes erfahren hatte, da dichtete er: Wenn ich den Namen Ungar hör, / wird mir das deutsche Wams zu onge. / Es braust darunter wie ein Meer, / mir ist's, als grüßten mich Trompete nklänge.

So viel zur Ehrenrettung von 1848, zum »schönen Marx« und zum »schmucken Petcifi«, die nicht vom Ende, vielmehr vom permanenten Fortgang dieser Revolution künden. Allerdings beklage ich im Gegensatz zu Karlen Vesper nicht das Venichwinden der Wissenschaftler, die in desr Jägerstraße tätig gewesen waren, ich beklage vielmehr, daß von ihnen nur wenige in der Lage sind, an der Fortsetzung; der Revolution mitzuwirken.

Almos Csongar 13055 Berlin

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal