Athen wappnet sich für Merkel

Anspannung vor Besuch der Bundeskanzlerin wächst

Am Dienstag wird Angela Merkel in Athen erwartet - die griechische Regierung hofft auf Unterstützung, die Polizei fürchtet die Wut der Bevölkerung.

7000 Polizisten sollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) morgen bei ihrem Besuch in Athen schützen. Nur wenige Minuten, nachdem die Bundesregierung am Freitag die erste Reise Merkels nach Griechenland seit Ausbruch der Krise bekannt gab, riefen Gewerkschaftsverbände und das Linksbündnis SYRIZA bereits zu Protesten gegen die »neoliberale Politik« der Kanzlerin auf - eine Demonstration und ein dreistündiger Streik sind geplant. Während viele Griechen nichts Gutes von Merkels Besuch erwarten, bewertete die Dreiparteienregierung unter dem Konservativen Antonis Samaras die Ankündigung als »positive Entwicklung«.

Deutsche Politiker gaben Merkel bereits am Wochenende die Forderung auf den Weg, Solidarität mit Griechenland zu demonstrieren. Die Kanzlerin müsse klarmachen, »dass wir in gegenseitigem Interesse helfen und nicht als reicher Onkel, der alles besser weiß«, sagte Martin Schulz (SPD), Präsident des EU-Parlaments, der »Leipziger Volkszeitung«. Auch der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Jürgen Trittin, appellierte an Merkel, den Griechen zu vermitteln, dass sie »auf europäische Solidarität« zählen können. Rainer Brüderle, FDP-Fraktionschef, erinnerte an die Verpflichtungen Athens zu Einsparungen in Milliardenhöhe im Gegenzug zu Hilfen der internationalen Geldgeber.

Der LINKE-Vorsitzende Bernd Riexinger forderte Merkel auf, sich auch mit Oppositionsführer und SYRIZA-Chef Alexis Tsipras sowie Gewerkschaftsvertretern zu treffen. »Wenn sie dem Widerstand gegen die brutalen Kürzungen nicht mal ein Ohr schenkt, verschärft sie die Polarisierung im Land«, sagte er der »Süddeutschen Zeitung«. In Griechenland drohe spätestens im Winter eine menschliche Katastrophe, auf die Europa eine Antwort finden müsse.

Wenn Merkel und Samaras zu Gesprächen zusammenkommen, werden gleichzeitig griechische Regierungsvertreter und Experten der internationalen Geldgeber aus Internationalem Währungsfonds, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) die Verhandlungen über das neue Sparpaket in Höhe von mehr als zehn Milliarden Euro für 2013 und 2014 fortsetzen, nachdem sie auch am Sonnabend keine Einigung erzielt hatten. Zuvor wird die Troika am heutigen Montag die Finanzminister der Eurogruppe in Luxemburg über den Stand der Verhandlungen informieren. Nach Angaben der Deutschen Presseagentur sollen diese am 15. Oktober abgeschlossen werden. Der bereits seit Wochen erwartete schriftliche Bericht der Troika lässt aber auf sich warten. Auf dessen Grundlage soll eine Entscheidung über die Freigabe einer weiteren Kredittranche in Höhe von 31,5 Milliarden Euro fallen. Nach Angaben von Regierungschef Samaras ist Griechenland bis Ende November auf neues Geld angewiesen.

Es sei »kein Selbstläufer«, dass Athen dieses Geld erhalte, sagte das deutsche EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen der »Bild am Sonntag«. Er bevorzuge, dass der Mittelmeerstaat im Euro bleibe, »aber der Schlüssel dafür liegt in Athen«. Wenn es nach Asmussen geht, kann Griechenland nicht auf finanzielle Erleichterungen durch die EZB hoffen. Samaras hatte in einem am Freitag veröffentlichten Interview gesagt, dass etwa Zinssenkungen bei Staatsanleihen eine große Hilfe wären.

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