Bundesbehörden kaufen Adressdaten
Den Angaben zufolge kaufte zum Beispiel die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung allein in diesem Jahr rund 131.000 Adressen von Ärzten - für den Erwerb solcher Daten sind seit 2010 von der Behörde fast 40.000 Euro ausgegeben worden. Auch die Ressorts für Justiz und Soziales, die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und das Robert-Koch-Institut haben nach Auskunft des Innenministeriums Daten gekauft - in der Regel hätten diese Informationszwecken gedient.
„Wenn die Bundesregierung ihrer politischen Verantwortung nachkäme, würde sie dem Grundrecht der Bürger auf informationelle Selbstbestimmung Vorrang vor den eigenen Interessen und vor den Profitinteressen von Unternehmen geben“, zitiert die „Mitteldeutsche Zeitung“ Korte. Der kurz vor der Sommerpause bekannt gewordene Versuch einer Liberalisierung des Meldegesetzes erscheine vor dem Hintergrund der Antwort auf die Anfrage „in einem ganz anderen Licht“.
Korte spricht von „Abhängigkeiten“ und „Solidarität zwischen staatlichen und privaten Datensammlern“, die zur Ausweitung des Handels mit Adressen führe. Laut Deutschem Dialogmarketing Verband haben Unternehmen im Jahr 2011 fast 28 Milliarden Euro „in die Adressen privater Haushalte investiert“, heißt es in der Anfrage der Linksfraktion. So genannte Listbroker bieten neben reinen Adressdaten zahlreiche weitere Informationen zum Kauf an - etwa Daten, die Aufschluss über Reisen, Hobbys oder Altersvorsorge der jeweiligen Adressinhaber geben.
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