Schicksalstag der Liga

Die Bundesligaklubs stimmen heute über das umstrittene Sicherheitskonzept der DFL ab

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 2 Min.
Heute treffen sich in Frankfurt am Main die insgesamt 36 Erst- und Zweitligaklubs, um über das Konzept der Deutschen Fußballliga gegen Gewalt in den Stadien abzustimmen. Sie könnten dabei ein Zeichen gegen die übertriebene und ungerechtfertigte Drohkulisse aus der Politik setzen.

Ein Sicherheitskonzept? »So sieht es doch gar nicht mehr aus«, sagt Christian Arbeit. Der Klubsprecher des 1. FC Union Berlin will damit nicht die Deutsche Fußballliga (DFL) provozieren. Das könnte man meinen. Denn der Zweitligist aus Köpenick lehnte im September als erster Verein offiziell die Ursprungsfassung des DFL-Papiers »Sicheres Stadionerlebnis« ab. In der Zeit danach sei viel passiert, sagt Arbeit.

In Frankfurt am Main sollen heute die 36 Klubs aus der 1. und 2. Bundesliga Maßnahmen gegen Gewalt im Fußball beschließen. In der überarbeiteten Fassung der DFL stehen auf 37 Seiten 16 Anträge. Den Inhalt bewertet Arbeit als »Fortschritt«. In der Tat, Vereinsinteressen werden gestärkt. Das sagt aber noch gar nichts über das Abstimmungsverhalten der Berliner aus.

Seriös kann dazu eigentlich noch niemand etwas sagen. Auch gestern gingen noch Anträge von Vereinen bei der DFL ein. Der exakte Wortlaut der zu beschließenden Punkte steht also nicht fest. Den Druck, etwas zu beschließen, gibt es allerdings schon. Darauf pocht die Politik und baute in Person verschiedener Innenminister auch in den vergangenen Tagen weiter an ihrer mächtigen Drohkulisse.

Wie viel Wahlkampf und wie wenig Substanz oft dahinter steckt, musste nun selbst die Bundesregierung eingestehen. Auf eine Kleine Anfrage zur »Entwicklung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten im Rahmen von Fußballveranstaltungen« durch Jan Korte von der Linksfraktion im Deutschen Bundestag konnte sie beispielsweise nur antworten, dass die Politik Stehplätze nicht verbieten darf. Damit drohte zuletzt immer wieder Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich von der CSU. Pikant dabei: Obwohl die Bundesregierung zur Beantwortung der Anfrage von Korte vier statt der üblichen zwei Wochen Zeit hatte, beantragte sie eine Fristverlängerung - bis zum 17. Dezember. Also fünf Tage nach der Entscheidung der Klubs über das DFL-Papier.

Gar als »verfassungswidrig« stuft die AG Fananwälte die Forderung Friedrichs nach Übernahme der Kosten von Polizeieinsätzen bei Fußballspielen durch die Vereine ein.

Auf den Druck der Politik hat die DFL recht klug reagiert. Sie hat das Konzept in 16 einzelne Abstimmungspunkte unterteilt. So ist es wahrscheinlich, dass zumindest ein Teil davon heute verabschiedet werden kann. Die Beschlussvorgabe durch die Politik wäre damit erfüllt. Und für strittige Punkte, die es auch in der überarbeiteten Fassung gibt, hätte man Zeit gewonnen. So beim Thema Vollkontrollen, auch wenn sie nur verklausuliert daherkommen oder bei der Frage nach der Reduzierung von Tickets für Gästefans. Vor allem diese beiden Punkte sehen die Fans immer noch sehr kritisch. Dennoch bietet sich dem Fußball heute die Chance, die Kontrolle über den eigenen Sport zu behalten.

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