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Spanier flüchten in den Bitcoin

Internet-Währung schützt vor dem Zugriff von Regierungen, aber nicht von Hackern

  • Von Ralf Streck, San Sebastian
  • Lesedauer: 2 Min.
Internetnutzer glauben, eine neue krisenfeste Währung ausgemacht zu haben: Der Bitcoin dient als virtuelles Geld vor allem dem Online-Einkauf.

Der Versuch der EU, auch einfache Sparer für die Rettung zyprischer Banken zur Kasse zu bitten, führte vor allem in Spanien zu Verunsicherung. Hier verlagern nicht nur viele Menschen ihre Ersparnisse ins Ausland - es findet auch eine Flucht in den Bitcoin statt. Diese virtuelle Währung, die von vielen Online-Händlern akzeptiert wird, soll dem Zugriff der jeweiligen Regierung entzogen sein. Angesichts der Schieflage des heimischen Bankensystems sehen viele Spanier im Bitcoin einen Schutz vor staatlichem Zugriff.

Das lässt sich auch am Wechselkurs ablesen. War die virtuelle Währung schon im vergangenen Jahr im Aufwind, verlieh ihr die EU mit dem Tabubruch in Zypern regelrecht Flügel. Binnen weniger Tage sprang der Preis für Bitcoins von 37 Euro bis auf 52 Euro. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert sogar vervierfacht. Aktuell liegt er bei rund 60 Euro.

Auch die Anzahl an Downloads der Anwenderprogramme (Apps) für internetfähige Handys stieg in Spanien massiv an. Von Platz 526 rückte der »Bitcoin Tricker« auf Platz 52 in seiner Kategorie vor. Das App »Bitcoin Gold« für iPhones rückte vom 498 auf 72 Rang hoch. Im Krisenland Italien, wo die Banken bisher noch nicht mit hohen Summen gerettet werden mussten, ist der Trend dagegen noch nicht angekommen.

Die Online-Währung ist seit 2009 im Umlauf und kann im Internet gegen Euro oder Dollar getauscht werden. Tatsächlich hat der Bitcoin auch schon den Sprung aus dem Internet in viele ganz normale Geschäfte geschafft. Ob in New York, London oder Berlin - immer mehr Kunden in Hip-Läden bezahlen längst in Bitcoins über das Smartphone. Allerdings wird über die Sicherheit des virtuellen Geldes gestritten. Hackern gelingt es immer wieder, größere Summen zu rauben. Erst Anfang März wurde ein schlecht gesicherter Webserver eines kommerziellen Internetdienstleisters gehackt, wobei Bitcoins im Wert von 170 000 Euro gestohlen worden sein sollen. Für Zentralbanken und Sicherheitsbehörden ist die Währung der blanke Horror, da das Geld der Kontrolle der Notenbanken entzogen ist und die Transaktionen auch nur schwer oder gar nicht zurückverfolgt werden können.

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