Umfairteilen: Aktionen in rund 100 Städten

Tausende kommen zu Kundgebungen für stärkere Besteuerung von Vermögen

Berlin (epd/nd). Mehrere tausend Menschen haben sich am Samstag an einem bundesweiten Aktionstag des Bündnisses »Umfairteilen« beteiligt. In rund 100 Städten wurde mit Kundgebungen, Stadtrundgängen, Straßentheater, Gottesdiensten und Open-Air-Konzerten für eine stärkere Besteuerung von Reichtum und eine einmalige Vermögensabgabe zugunsten sozialer Zwecke demonstriert. Die Aktivisten forderten auch einen konsquenten Kampf gegen Steuerbetrug und Steueroasen.

Allein in Bochum gingen nach Angaben der Veranstalter mehr als 2.000 Menschen auf die Straße. In Berlin und Saarbrücken wurde bei Menschenketten symbolisch Geld für soziale Zwecke verteilt. In der Bundeshauptstadt beteiligten sich rund 500 Menschen an der Aktion am Potsdamer Platz.

Das Bündnis »Umfairteilen« gehören bundesweit mehr als 20 zivilgesellschaftliche Organisationen an, darunter Wohlfahrts- und Sozialverbände sowie Gewerkschaften. Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider, wertete den Aktionstag als Erfolg. Die »Umfairteil«-Bewegung gewinne fantastisch an Fahrt. Nach seiner Auffassung hat das Bündnis dazu beigetragen, dass Umverteilung zum Wahlkampfthema geworden ist. »Die Debatte ist nicht mehr wegzudenken«, sagte er dem epd.

Die Vermögenskonzentration in Deutschland sei nicht nur ungerecht, sondern obszön, erklärte Schneider. »Nach Jahren der Umverteilung von unten nach oben muss über die Einführung einer Vermögensteuer, die deutliche Anhebung der Erbschaftssteuer und die Anhebung des Spitzensteuersatzes in der Einkommenssteuer sicher gestellt werden, dass sich insbesondere Reiche und Superreiche wieder stärker an der Finanzierung unseres Gemeinwesens beteiligen.«

Auch Jutta Sundermann vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac wertete den Aktionstag als wichtigen Auftakt für weitere Proteste: »Die Lage in Europa spitzt sich zu, die wachsende soziale Ungerechtigkeit brennt den Menschen auf den Nägeln. Deshalb wächst unsere Bewegung von Tag zu Tag, deswegen haben heute tausende Menschen in ganz Deutschland Druck gemacht für echte Umverteilung und eine neue Solidarität eingefordert. Wir müssen endlich die Reichen und Superreichen in die Pflicht nehmen.«

Das Bündnis verweist bei seiner Forderung darauf, dass in Deutschland das reichste Prozent der Bevölkerung ein Drittel des Nettovermögens besitzt. Die Vermögenssteuer wurde in Deutschland 1997 ausgesetzt. Eine Vermögensabgabe gab es in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zur Bewältigung der verheerenden Folgen des Krieges.

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