Zum Gähnen

»Iron Man 3«

  • Von Marc Hairapetian
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Problematik bei den meisten Comic-Verfilmungen mit realen Darstellern liegt darin, dass der visuelle Stil nicht übertragbar ist. Gerade die Hollywood-Blockbuster bieten oft Stars, Sternchen und Spektakel, sind aber wenig künstlerisch gestaltet. Und wenn man ehrlich ist, haben auch die viel diskutierten »Batman«-Streifen von Christopher Nolan keine eigene künstlerische Handschrift. Sie sind vielmehr die digital animierten Fortsetzungen von noch analog gedrehten Katastrophenfilme der 70er Jahre wie »Flammendes Inferno« oder »Erdbeben« (beide 1974), nur dass die der damaligen Mode entsprechend gekleideten Helden von einst wie Paul Newman oder Charlton Heston jetzt von im Superhelden-Dress gewandeten Akteuren wie Christian Bale (»Batman«) oder Chris Evans (»Captain America«) gemimt werden. Rühmliche Ausnahmen waren Frank Millers und Roberto Rodriguez' »Sin City« (2005), (nochmals) Frank Millers »The Spirit« (2008) und Steven Spielbergs »Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn« (2011), die die Originalvorlagen von Frank Miller,Will Eisner und Hergé sehr ernst nahmen und in einen ihnen angemessenen visuellen Stil kleideten.

Beim Marvel-Klassiker »Iron Man« (2008) wurde seinerzeit das Spiel von Charakterdarsteller Robert Downey junior gelobt, der einen Superhelden mit mehr Tiefe auch im zweiten Teil (2010) gab. Seine Interpretation des humanistischen (!) Rüstungsindustriellen, Multimilliardärs, Playboys und Erfinders Tony Stark, der in seiner High-Tech-Rüstung zum Superhelden avanciert, ist auch im unvermeidlichen dritten Teil, der jetzt in den deutschen Kinos startet, differenziert und laviert zwischen Pathos, Nüchternheit, Charme und Selbstironie. Doch obwohl Regisseur Jon Favreau durch seinen Kollegen Shane Black (Drehbuch für »Last Action Hero«, Regie bei »Kiss Kiss, Bang Bang«) ersetzt wurde, bietet »Iron Man 3« optisch und inhaltlich nicht viel Neues.

Tony Stark, der - Kinozuschauer erinnern sich - kürzlich noch New York vor der Zerstörung gerettet hat, bekommt es diesmal mit einem weit gefährlicheren Gegner zu tun: Der Mandarin (gespielt von Ben Kingsley) ist Drahtzieher der Terrororganisation »Die zehn Ringe«. Bevor er die ganze Welt unterjocht, will er erst einmal selektiv vorgehen und den Iron Man aus dem Weg räumen. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, dessen Privatleben zu zerstören. Stark muss nicht nur seine Freundin Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) beschützen, sondern er muss sich auch hinterfragen, ob wirklich ein ganzer Kerl in ihm steckt oder ob er erst durch seine Rüstung zum Helden wird.

Sie beginnen bei diesem Plot zu gähnen? Leider ist die Umsetzung auch nicht viel aufregender. Eine halbe Stunde plätschert der Film so vor sich hin - bekannte Gesichter wie Guy Pearce und Don Cheadle dürfen sich nur herzeigen. Dann folgt ein von monotonen Orchesterklängen untermaltes, dosiertes Action-Feuerwerk, das man schon aus anderen Filmen zu kennen vermeint. Eine Fehlbesetzung ist der an sich große Ben Kingsley, der den »Herrn der Ringe« als ziemlich unbedrohliche Mischung aus Osama Bin Laden, Doktor Fu Man Chu und Palast-Eunuch anlegt. Und so kann auch ein Robert Downey junior als Superheld leider nicht einen ganzen Film retten.

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