Wo Zwerge Hollands Hoheit huldigen

Zu Willem-Alexanders Krönung: Majestäts-Spektakel in Hitzacker - Gedenken an Königsvater Claus

Wie schlicht mutet doch die Benedikt-Torte an, mit der das Dörflein Marktl am Inn, Geburtsort des abgedankten Papstes, denselben würdigt. Wie glanzvoll dagegen strahlt eine kulinarische Devotionalie im niedersächsischen Hitzacker an der Elbe: der König-Willem-Alexander-Eisbecher. Kreiert hat ihn das Café Venezia zur Krönung des neuen niederländischen Monarchen, denn: Was Marktl in Bayern für die Benedikt-Verehrer, ist Hitzacker für Hochadel-Enthusiasten.

Zum Wallfahrtsort für Royalisten ist das Städtchen dank eines seiner Söhne geworden: Claus von Amsberg, 1926 in Hitzacker geboren, ehelichte 1966 die niederländische Kronprinzessin Beatrix. Sie wurde Königin, er Prinzgemahl. Seither herrscht Holland-Hype in Hitzacker, wann immer sich im »Koninklijk Huis« etwas Besonders tut. Wie am Dienstag die Inthronisation des Claus- und Beatrix-Sprosses Willem-Alexander nebst seiner Máxima.

Akut grassierte in Hitzacker der Wir-sind-König-Virus. Eines seiner Symptome war das Wiederaufleben eines Begriffs, der aus dem Wortschatz der Deutschen so gut wie verschwunden schien: die Huldigung. Das ist, belehrt das Lexikon, ein »ritualisiertes Treueversprechen« im Mittelalter. »Hitzacker huldigt dem neuen König«, so hatte der Leiter des dortigen Museums, Klaus Lehmann, zum Krönungstagsspektakel gebeten. Angekündigt hatte der rührige Mann ein »Huldigungsbuch« - zum Bekunden der »Ehrerbietung« Hitzackeraner Bürger gegenüber der holländischen Hoheit.

So scharten sich denn die Königstreuen um Hitzackers Riesenkastanie. Auch sie erinnert an längst vergangene Zeiten: Unter dem Baum erinnerten einst Gedenksteine an Hexenverbrennungen im Elbestädtlein. An Schöneres richteten sich die Erinnerungen beim Huldigungsakt: an Claus und Beatrix, wie sie 1965 als Verlobte in Hitzacker »mit Jubel begrüßt« worden waren. Als das Paar im folgenden Jahr in Amsterdam heiratet, jubeln nicht alle Holländer. Immerhin war der Prinz zur Nazizeit Wehrmachtssoldat gewesen, kam aus dem Land, unter dessen Besatzung die Niederländer gelitten hatten. Manchen galt Claus noch als »Mof«, als ungeliebter Deutscher. Protestierer warfen Rauchbomben, als die Hochzeitskutsche nahte.

Rauch gab es auch beim Hitzackeraner Huldigungs-Bohei: aus einer Böllerkanone namens »Donnernder Willi«. Drei Schüsse, gezündet von Schützenbrüdern im vollen Ornat, verkündeten Punkt 14 Uhr: Jetzt ist Willem-Alexander König! »Hurrah-hurrah-hurrah« tönte es aus Hitzackeraner Kehlen. Zackig klang das - und begeistert. Wann hat man auch schon mal Anlass, in Deutschland wieder Hurrah zu rufen?!

Es fehlte nicht an Honoratioren, als auf Hitzackers Weinberg zum Eintrag ins Huldigungsbuch aufgerufen wurde. Sogar die Weinbergzwerge waren herbeigetrippelt: zipfelbemützte Männer, die bei allerlei Events zur Bespaßung von Touristen und Einwohnern im Wichtelkostüm auftreten. Museumschef Lehmann hatte sich ebenfalls verkleidet, huldigte als »Zollschreiber« dem König, dem »Sohn des Sohnes unserer Stadt«. Für diesen sei der Weinberg zur Kinderzeit »eine Spielwiese« gewesen. Wie sich nun zeigte, eignet sie sich auch vortrefflich zum Monarchiespielen.

Als der Schreiber den Wunsch ausrief, das neue Königspaar möge das Elbestädtchen besuchen, hauchte eine ältere Dame ergriffen: »Ach jaaa, hoffentlich bald!« Vielleicht hat sie sich ja, schon von der majestätischen Visite träumend, im Café Venezia einen König-Willem-Alexander-Eisbecher gegönnt, mit essbaren Blattgold geziert, eben ganz royality.

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