Wasser geht, Schäden bleiben

Hunderte Sportvereine in Mitteldeutschland von der Flut betroffen

  • Von Stephan Fischer
  • Lesedauer: 3 Min.
Viele Sportvereine in Ostdeutschland kämpfen mit den Folgen des Hochwassers. Die Verbände rufen zu Spenden auf.

Über der Gegengerade des Ernst-Abbe-Sportfelds in Jena flattert die blau-weiße Fahne des FC Carl Zeiss im Wind. Ein strahlend blauer Himmel bei sonnigem Wetter rundet das friedliche Bild ab: Das Wasser hat sich aus der direkt an der Saale gelegenen Sportanlage zurückgezogen, die Tribünen umschließen keine Seenfläche mehr, sondern einen Fußballplatz.

So friedlich das Bild auch ist, Schäden fallen sofort ins Auge: Die sonst leuchtend blaue Tartanbahn ist von einer grauen Schlammschicht bedeckt, der Rasen ist stark beschädigt. Ein Austausch würde teuer, der Viertligist kämpft jetzt schon mit den finanziellen Folgen der Flut. Vor allem die Elektrik ist stark in Mitleidenschaft gezogen, Verteilungen und Geräte standen teilweise unter Wasser, berichten regionale Tageszeitungen. Ob die Heimspiele der Jenaer ab Juli stattfinden können? Ein Benefizspiel gegen einen Bundesligisten soll helfen, Geld für die nötigen Ausbesserungsarbeiten zu gewinnen. Am sportlichen Ziel, den Kampf um den Aufstieg in die Dritte Liga in der nächsten Saison zu gewinnen, hält man in Jena-Paradies jedoch fest.

Im Ernst-Abbe-Sportfeld kämpfen nicht nur die Fußballer des FC Carl Zeiss um Punkte, auch die Sportler des Leichtathletik-Club Jena trainieren und kämpfen um Höhen, Weiten und Rekorde. Zurzeit aber kämpft der Club um sein Weiterbestehen. Die Trainingsanlagen sind auf Wochen nicht nutzbar, alle Schäden noch nicht abschätzbar. Besonders hart traf den Club die Absage des 18. Nationalen Leichtathletikmeetings vor zwei Wochen: Ausgefallene Sponsoren- und Startgelder sowie schon bezahlte Organisationskosten machten einen fünfstelligen Betrag für den gemeinnützigen Verein aus, ein Drittel des Etats, so Vorstandsmitglied Rico May gegenüber dpa. Auf seiner Internetseite bittet der Verein, bei dem auch der aktuell erfolgreichste deutsche Speerwerfer Thomas Röhler trainiert, um Spenden.

Nicht nur in Jena, auch im weiter östlich gelegenen Gera glich das dortige Stadion der Freundschaft einer vollgelaufenen Badewanne. Das drittgrößte Stadion Thüringens ist bis auf weiteres nicht nutzbar, weder für Fußballer noch Leichtathleten. Der für dieses Wochenende geplante 5. Geraer Springer- und Werfertag musste abgesagt werden.

Angesichts der dramatischen Lage vieler Sportvereine hat das Präsidium des Landessportbundes (LSB) Thüringen am 13. Juni einen Hilfsfond in Höhe von 100 000 Euro beschlossen. Betroffene Vereine soll eintausend Euro Soforthilfe für die Beseitigung von Schäden erhalten, in schweren Fällen zweitausend Euro. Eine erste Erfassung des LSB ergab, dass mehr als einhundert Vereine in Thüringen betroffen sind, die Schäden gehen jetzt bereits in die Millionen. Der Soforthilfe sollen weitere Mittel folgen, dafür ruft der LSB zu Spenden auf. Auch die Landessportbünde in Sachsen und Sachsen-Anhalt bitten um Spenden, appellieren an die Solidarität des Sports. Der Deutsche Olympische Sportbund gründete ebenfalls einen Hilfsfond und stellt Mittel in Höhe von 100 000 Euro bereit.

Gerade in Sachsen-Anhalt ist der Schaden an Sportstätten und Material noch gar nicht absehbar. Das Wasser ist in den vom Elbe-Hochwasser betroffenen Gebieten oft noch nicht abgeflossen. Für die Handballprofis des SC Magdeburg normalisiert sich die Lage langsam wieder: Heute soll der Betrieb der Geschäftsstelle wieder aufgenommen werden, sie war während der hohen Pegelstände evakuiert worden. Die Pumpen in der Magdeburger Handball-Arena laufen aber weiter, um ein Eindringen des Grundwassers zu verhindern, sagte Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt gegenüber dem mdr. »Die Halle ist stabil, hoffentlich gibt es keine Schäden.«

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