Die Dinos kommen

Biolumne

  • Von Reinhard Renneberg, Hongkong, und JoJo Tricolor, Cherville
  • Lesedauer: 3 Min.

Wenn Professor Flimmrich auf wiederholten Wunsch der Zuschauer die »Reise in die Urzeit« des genialen Tschechen Karel Zeman über die Bildschirme flimmern ließ, saß die Jugend in der DDR (und ein Teil der Westdeutschen) einträchtig vorm Fernseher. So etwas wie den Film von 1955 aus dem Studio Barrandov gab’s nur im Osten!

Gerade haben wir die US-Fassung auf Youtube gefunden. Herrlich! Zemans Prager Kollege Zdenek Burian illustrierte mit Dinos das Buch »Weltall Erde Mensch«, bis 1974 die opulente atheistische Bibel für Jugendweihlinge. Seitdem hatte ich die Dinosaurier als plumpe, unbehaarte, graue, aber eigentlich friedliche Riesenechsen im Kopf.

Steven Spielbergs Film »Jurassic Park« nach dem Roman von Michael Crichton zeigte sie 1993 dann »echt amerikanisch«: blutgierig, smart, superflink, aber eben auch militärisch grün-braun-grau. Neuerdings, zum 20-jährigen Film-Jubiläum, gibt's die bissigen Urzeitmonster sogar in 3D zu sehen.

Das wissenschaftliche Bild der Urtiere allerdings hat sich seit 1955 erheblich gewandelt. Unsere Dinos sollen ganz anders ausgesehen haben! Viele waren offenbar ganz farbenfrohe Federtiere. Das kam vor zehn Jahren als News aus China. Seitdem sind Theropoden mit Federn in Deutschland, Kanada und China gefunden worden. Bleibt die Frage, ob man wie in Spielbergs Film Dinos neu erschaffen kann?

Als »Jurassic Park« die Kinos füllte, erklärte der Paläontologe Jack Horner: »No problem! Yes, we can!« Die DNA von Dinoblut saugenden, danach in Bernstein eingeschlossenen Mücken würde extrahiert, die unvollständige DNA durch Frosch-DNA ergänzt werden. Doch die Dinos sind schon vor 65 Millionen Jahren ausgestorben. Ihre DNA ist also absolut kaputt. Und wer sollte dann die Dino-Leihmutter sein?

Aber immerhin, bei einem jüngeren Fossil versucht man gerade, es neu zu erschaffen: Wollhaarmammuts. Die starben erst vor 10 000 Jahren aus. Das Erbgut aus Mammut-Zellkernen, gefunden im sibirischen Permafrost, will ein japanisch-russisches Team in Elefanten-Eizellen injizieren. Eine Elefanten-Leihmutter soll dann das Mammut-Baby austragen. Beim Elefanten erwartet unser schottischer Freund, Shaw-Preisträger Ian Wilmut, dass Hunderte von Eizellen implantiert werden, so wie er das erfolgreich vor der Geburt des Schafs Dolly gemacht hat. Aber will/darf man das wirklich?

Scott Elias von der Universität London hält das für ethisch unverantwortlich. »Das Ökosystem dafür gibt es nicht mehr. Die Mammuts müssten im Zoo leben mit synthetischer Nahrung«, erläutert er. Fortschrittsbegeisterte Japaner dagegen wollen die Mammuts einfach auf einer Insel im Norden Japans ansiedeln.

Eine bessere Idee als die Suche nach prähistorischer DNA wäre womöglich, nach seit Millionen Jahren schlummernden Genen in heutigen Vögeln zu suchen und diese zu wecken. Die Pieper stammen ja direkt von Therapoden ab! Hühner mit Zähnen konnte man so bereits erzeugen.

Mal sehen, was Gentechniker und Paläontologen noch aushecken. Ob die Hühner dann noch was zu lachen haben?

US-Filmfassung: https://www.youtube.com/watch?v=BohZrtpVVsU&hd=1

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung