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Frankreich will Duftkerzen und Räucherstäbchen verbieten

Von den Dekorationsgegenständen gehen große Gesundheitsgefahren aus

  • Annika Joeres, Nizza
  • Lesedauer: 3 Min.
Zur Weihnachtszeit brennen sie in vielen Häusern: Parfümierte Kerzen und Räucherstäbchen. Hinter dem Duft verbirgt sich häufig Gefahr. Frankreich verbietet als erstes Land Europas den Verkauf.

Sie riechen nach Tannenwald, Zimtsternen oder Vanille und mit den dunklen Wintertagen sind sie in vielen Haushalten zu finden: Duftkerzen und Räucherstäbchen. Doch die Dekorationsgegenstände scheinen gefährlich für die Gesundheit zu sein. Das französische Gesundheitsministerium plant daher ein Verbot dieser Produkte.

Die am stärksten die Luft verunreinigenden Produkte, also diejenigen, die mehr als zwei Mikrogramm schädlicher Partikel pro Quadratmeter verströmen, sollen komplett verboten werden. »Wir wollen dem Irrglauben entgegentreten, bestimmte Kerzen, Stäbchen oder Duftsprays könnten die Raumluft verbessern«, heißt es im aktuellen Aktionsplan des Pariser Ministeriums. Die Industrie habe viele Irrtümer in die Welt gesetzt. Mit denen soll eine Aufklärungskampagne auch an Schulen und Kindertagesstätten aufräumen.

Tatsächlich scheint die Werbung der Duftproduzenten funktioniert zu haben. Laut dem französischen Institut für Konsumforschung CREDOC benutzen die meisten Europäer mindestens einmal am Tag eines der duftenden Produkte. Beim Verbrennen von Kerzen und Räucherstäbchen lösen sich kleinste Teilchen, die häufig nur zehn Nanometer im Durchmesser haben. Sie sind so winzig, dass sie tief in die Lungen vordringen und sogar Zellschranken überwinden und ins Blut gelangen können.

Dabei scheinen Räucherstäbchen noch gefährlicher als parfümierte Kerzen zu sein. Nach einer Analyse des französischen Instituts zur Bewertung von industriellen Risiken (Ineris) verglühen die Stäbchen ohne Flamme und damit nicht vollständig und stoßen dadurch viele gefährliche Partikel in die Luft. Bei den meist in Asien produzierten Produkten reichen schon wenige Minuten im Monat aus, um der Gesundheit zu schaden. Sie setzen gefährliche Benzole, Formaldehyd, Naphtalene und Pyrene frei, die über die Atemwege in den menschlichen Organismus gelangen und dort die Zellen verändern können. Die Stoffe gelten somit als krebsgefährdend, so das Pariser Institut Ineris. Es empfiehlt schon seit Jahren, auf den Packungen auf die Gefahr hinzuweisen.

Auch für diese bessere Deklarierung will das französische Ministerium sorgen. Es bewertet eine gute Luft im Haus als besonders wichtig für die gesamte Gesellschaft. So gebe Frankreich jährlich zwischen zehn und 40 Milliarden Euro für die Behandlung von Krankheiten aus, die durch verschmutzte Luft verursacht würden. Dazu zähle z. B. Asthma, unter dem 3,5 Millionen Franzosen leiden.

Die Europäische Union hat schon mehrfach in Studien darauf hingewiesen, dass die Luft in Häusern und Wohnungen häufig belasteter ist als außerhalb. Deshalb empfiehlt es sich ohnehin, zehn Minuten am Tag zu lüften. Und den viel beworbenen Parfümprodukten im Haushalt keinen Glauben zu schenken. Denn inzwischen sind nicht nur Wasch- und Reinigungsmittel, Raumsprays, Duftkerzen und Öle für Duftlampen parfümiert. Selbst Mülleimer- oder Staubsaugerparfüm werden verkauft. Die Pariser Regierung ist sicher: »Besser belüften als beduften.«

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