Niebels Rezept gegen Hunger

Martin Ling über die fragwürdige German Food Partnership

Es ist ein Vermächtnis von Dirk Niebel: die German Food Partnership (GFP), die Deutsche Partnerschaft für Nahrung. Vor knapp anderthalb Jahren wurde diese Initiative im Bundesentwicklungsministerium aus der Taufe gehoben und die ersten vier Projekte stehen nun in den Startlöchern, während der Entwicklungsminister auf gepackten Koffern sitzt.

Was auf der Verpackung der GFP steht, klingt wie immer verheißungsvoll: Die Projekte zielen auf die Förderung von vornehmlich kleinbäuerlichen Betrieben in Asien und Afrika. Und selbst die Wertschöpfungsketten von Reis, Kartoffeln und Ölsaaten werden bedacht, sprich, es geht auch um die Weiterverarbeitung und Vermarktung der Agrarprodukte, die Bereiche, in denen der Großteil der Erlöse anfällt.

Doch was sich entwicklungsökonomisch prima vista prima anhört, hat einen gewaltigen Pferdefuß: Die BMZ-Partner sind große deutsche Konzerne aus dem Agrobusiness wie BASF, Bayer Crop Science oder Syngenta. Unternehmen, die für alles bekannt sind, aber nicht dafür, Kleinbauern zu fördern, sondern diese vielmehr in Geiselhaft für ihre Produkte zu nehmen. Die zahllosen Selbstmorde überschuldeter indischer Kleinbauern sind nur der krasseste Ausdruck dieses Machtverhältnisses.

Die Konzerne sind immerhin ehrlich genug, um einzuräumen, dass die Rahmenbedingungen so sein müssen, dass sich private Investitionen lohnen müssen. Das heißt im Umkehrschluss, dass die allermeisten der Kleinbauern in Afrika und Asien für die GFP schlicht und ergreifend nicht infrage kommen, weil sie sich für lohnende Investitionen nicht eignen. Auch ein Kleinbauernbetrieb muss dafür eine bestimmte Mindestgröße haben. Die haben aber nur die wenigsten. Und so steht bereits jetzt fest: Die GFP kommt den ärmsten Bauern und Bäuerinnen nicht zugute. Knapp daneben ist auch vorbei.

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