US-Ermittler vermuten Attacke

Sechs Tage und die Suche wird immer mysteriöser: Flug MH370 flog angeblich noch vier Stunden weiter

  • M Jegathesan, Kuala Lumpur
  • Lesedauer: 2 Min.
Falsche Satellitenfotos, widersprüchliche Daten: Die Theorien um das Verschwinden der Boeing 777 werden immer wilder. Eine Spur gibt es immer noch nicht.

Die Spekulationen um das seit Tagen verschwundene Flugzeug der Malaysia Airlines sind um eine Theorie reicher. US-Ermittler vermuteten, dass die Maschine nach ihrem letzten Funkkontakt möglicherweise noch vier Stunden lang weitergeflogen sei, berichtete das »Wall Street Journal« am Donnerstag. Die malaysische Regierung widersprach dem Bericht.

US-Luftfahrt- und Sicherheitsexperten gingen auf der Basis von Daten, die die Rolls-Royce-Triebwerke der Maschine automatisch gefunkt hätten, von einem insgesamt fünfstündigen Flug aus, hieß es in dem Zeitungsbericht. Vom Radar verschwand sie etwa eine Stunde nach dem Start. Dies könnte bedeuten, dass die Maschine mit 239 Menschen an Bord nach dem letzten Kontakt mit der Flugüberwachung noch Hunderte Kilometer weiterflog als bisher erwartet. Suchmannschaften durchkämmen derzeit ein rund 90 000 Quadratkilometer großes Gebiet vom Südchinesischen Meer bis zu Gewässern westlich von Malaysia.

US-Antiterrorspezialisten überprüften die Möglichkeit, dass einer der Piloten oder ein anderer Insasse des Flugzeugs die Maschine an einen unbekannten Ort entführt haben könnte, hieß es im »Wall Street Journal« weiter. Zuvor seien möglicherweise die Transponder zur automatischen Sendung von Flugdaten abgeschaltet worden, um der Radarüberwachung zu entgehen. Die Ermittler verfolgten die Theorie, dass die Maschine umgeleitet worden sei, »um sie später für einen anderen Zweck zu nutzen«.

Das Wissenschaftsmagazin »New Scientist« berichtete, der Triebwerkshersteller Rolls-Royce habe in seinem Überwachungszentrum im britischen Derby »mindestens zwei Bündel technischer Daten« von den Triebwerken der Unglücksmaschine erhalten - eine beim Start des Flugzeugs, die andere im Steigflug Richtung Peking.

Der malaysische Verkehrsminister Hishammuddin Hussein widersprach dem »Wall Street Journal«-Bericht und erklärte, die Informationen seien ungenau. Die letzten Daten habe das Flugzeug um 1.07 Uhr Ortszeit gesendet, ihnen zufolge sei an Bord »alles normal« gewesen. Um 01.30 Uhr gab es dann den letzten Kontakt mit der Flugkontrolle.

Von China bereitgestellte Satellitenfotos von einem mutmaßlichen Absturzort erwiesen sich derweil als falsch. Peking habe die malaysischen Behörden informiert, dass die Bilder »versehentlich« veröffentlicht wurden und keine Trümmer zeigten, sagte Hussein. Zuvor hatten vietnamesische Flugzeuge an der vermuteten Fundstelle keine Spur der Unglücksmaschine gefunden. Bislang ist kein einziges Trümmerteil aufgetaucht. Chinas Ministerpräsident Li Keqiang kündigte an, die Suche werde so lange fortgesetzt, »wie es noch einen Hoffnungsschimmer gibt«.

Die Theorien zum Verschwinden der Maschine gehen von einen katastrophalen technischen Problem an Bord über eine Explosion, Flugzeugentführung, einen Abschuss durch eine Rakete bis hin zu einem Piloten-Selbstmord. AFP

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