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Mehr Freude als Enttäuschung

dbb jugend wartet weiter auf unbefristete Übernahme

Sandra Kothe ist Bundesvorsitzende der dbb jugend. Mit der 30-jährigen gelernten Finanzbeamtin sprach Jörg Meyer über den jüngsten Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst in Bund und Kommunen.

nd: Die dbb jugend (deutscher beamtenbund und tarifunion) hat die Tarifeinigung für den öffentlichen Dienst mit den Worten kommentiert »Einkommensentwicklung TOP; Übernahmezusage FLOP«. Warum?
Kothe: Die unbefristete Übernahme tariflich zu sichern, wäre wichtig gewesen, unter anderem weil die Ausbildung dadurch attraktiver würde: Wenn ich mich für eine Ausbildung entscheide, möchte ich ja später auch in dem Beruf arbeiten. Gerade im öffentlichen Dienst gibt es viele Bereiche, in denen verwaltungsintern ausgebildet wird. Damit kann man später in der freien Wirtschaft nicht viel anfangen. So wird zum Teil für die Arbeitslosigkeit ausgebildet.

Warum hat die Arbeitgeberseite das denn verweigert?
Unserer Meinung nach ist es extrem wichtig, die Azubis unbefristet zu übernehmen, um denen eine Perspektive zu geben. Wir vermuten, dass die Arbeitgeber, sagen wir mal, die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt haben. Eine gute Personalplanung ist für den öffentlichen Dienst ja nicht immer die Regel. Die Weigerung können wir deshalb definitiv nicht nachvollziehen.

Ist die unbefristete Übernahme verhandelbar?
Nehmen Sie die bedarfsgerechte Ausbildung: Da müsste erst einmal der tatsächliche Bedarf ermittelt werden, damit wir auch in Zukunft noch von guten Arbeitsplätzen sprechen könne. Die Personaldecke ist ja jetzt schon extrem dünn. Auch befristete Übernahmen haben wir jetzt schon. Von daher sehe ich keine Verhandlungsmasse.

Wie sind die Reaktionen in der dbb jugend auf den Tarifabschluss? Überwiegt die Enttäuschung, weil es wieder nicht geklappt hat?
Es gibt beides. Beispielsweise die komba jugend, also die Fachgewerkschaft für die kommunalen Beschäftigten, wertet den Abschluss so, wie wir ihn auch bewerten: prinzipiell sehr gut, aber leider ohne Übernahme. Die dbb jugend Nordrhein-Westfalen hat eine Stellungnahme herausgegeben, in der sie die fehlende Übernahme als sehr negativ bewertet, von Zukunftsängsten spricht. Aber ich denke, die Zufriedenheit mit dem Einkommensplus überwiegt.

Wie sauer sind Sie nach gestern auf ihre »Erwachsenen«?
Unser Verhandlungsführer Willi Russ hat versucht, alles rauszuholen, auch für die Jungend. Das wissen wir. Wir nehmen innerhalb des dbb einen sehr hohen Stellenwert ein. Das hat man auch beim Forderungskatalog gemerkt, der viele explizite Jugendforderungen enthielt, und wir waren während der Warnstreiks auf der Straße sehr präsent mit mehreren tausend jungen Beschäftigten und Azubis.

Wie viele stimmberechtigte Jugendmitglieder gibt es Bundestarifkommission, die gestern über die Einigung abgestimmt hat?
Wir haben als Jugend einen Sitz. Die restlichen Mitglieder setzen sich aus den Fachgewerkschaften zusammen, da gibt es auch einige junge Vertreter. Aber es ist wie überall: Es könnte immer noch ein bisschen mehr sein.

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