Schlaglöcher gefährden Menschenleben

Die Dekra warnt Berlin und Brandenburg vor Vernachlässigung der Verkehrsinfrastruktur

Wenn der Verkehr sicherer werden soll, darf die Infrastruktur nicht weiter vernachlässigt werden, mahnt die Prüforganisation Dekra.

Was hat der Verbrauch an Mineralwasser mit der Verkehrssicherheit in Berlin zu tun? »Er illustriert das wachsende Verkehrsaufkommen in der Stadt«, beantwortete der Berliner Dekra-Niederlassungsleiter Mario Schwarz die selbst gestellte Frage. Die Prüforganisation hat ausgerechnet, dass jeder Berliner im Jahr 137 Liter Mineralwasser trinkt, was etwa 16 Kästen entspricht. Für die gesamte Stadt wären das 56 Millionen Kästen, die mit 35 000 Sattelzügen - 140 pro Tag - herangekarrt werden. Darauf müsse man sich einstellen, ebenso wie auf die Zunahme von Kurier-, Express- und Paketdiensten, etwa durch den Internet-Handel, so Schwarz.

Die Dekra-Experten mahnen deshalb in ihrem neuesten Verkehrssicherheitsreport Berlin und Brandenburg, »den gewaltigen Investitionsstau in den Bereichen öffentlicher Personennahverkehr und Verkehrsinfrastruktur abzubauen«. Berlin habe im vergangenen Jahr Bundesmittel für die Sanierung von Straßen in Höhe von 50 Millionen Euro nicht abgerufen, und die BVG rechne bis 2030 mit einer Finanzierungslücke von etwa drei Milliarden Euro. In Brandenburg gebe es für den Straßenbau einen Investitionsbedarf von 600 Millionen Euro, wie selbst die Landesregierung einräume, sagte Schwarz.

Der schlechte Zustand vieler Straßen in beiden Ländern sei ein großes Risiko für die Autofahrer. Unbefestigte Seitenstreifen auf Landstraßen oder Schlaglöcher begünstigten Unfälle, sagte der Leiter der Berliner Dekra-Repräsentanz, Andreas Kraus. Schlaglöcher könnten Reifen beschädigen, »und später auf der Autobahn platzt er dann«. Ausweichmanöver gefährdeten andere Verkehrsteilnehmer.

Während in Berlin die Zahl der Verkehrsunfälle im vergangenen Jahr gegenüber 2012 stagnierte, war die Zahl der Toten mit 37 so gering wie noch nie. Auf den Straßen Brandenburgs dagegen wurden im vergangenen Jahr 170 Menschen getötet, vier mehr als 2012. Auf eine Million Einwohner kamen somit 69 Verkehrstote, das ist im Vergleich aller Bundesländer der schlechteste Wert. In den vergangenen 20 Jahren gab es jedoch einen enormen Rückgang. 1992 wurden in Brandenburg noch 876 Verkehrstote gezählt, fünfmal mehr als 2013.

Die Dekra-Experten halten die Initiative »Vision Zero«, mit der die EU bis 2050 erreichen will, dass bei einem Verkehrsunfall niemand mehr getötet wird, für realisierbar. »In Brandenburg haben das immerhin Potsdam 2011 und Frankfurt (Oder) in den Jahren 2010 und 2012 geschafft, in Europa 23 Prozent aller Städte mit über 50 000 Einwohnern wenigstens einmal in den vergangenen vier Jahren«, sagte Kraus. »Alle sollen ankommen, aber keiner umkommen«, laute das Motto.

Der Berliner Dekra-Chef sprach sich für mehr gezielte Verkehrskontrollen aus, »und zwar nicht dort, wo die Kasse klingelt, sondern an Gefahrpunkten wie Altenheimen oder Schulen«. In Berlin ging die Zahl der Kontrollen im vergangen Jahr allerdings wegen Personalmangel zurück. Die Polizei müsse so viel Personal haben, dass Beamte wie früher in die Schulen gehen könnten, um den Kindern Verkehrsregeln zu erklären, forderte Kraus.

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