Enercon setzt Mitarbeiter unter Druck

Windenergiekonzern will Geschäftsführung in den Betriebsrat hieven

Bei den Betriebsratswahlen der Tochterfirmen des Energiekonzern Enercon versucht die Konzernleitung, loyale Mitarbeiter als Kandidaten durchzusetzen.

Beim führenden deutschen Produzent von Windenergieanlagen, dem Enercon-Konzern, werden in den kommenden Wochen nicht nur ein, sondern gleich mehrere Betriebsräte gewählt. In einigen Tochtergesellschaften sind die Wahlen turnusmäßig angesetzt, in anderen wird erstmals über eine Mitarbeitervertretung abgestimmt - und nicht immer ohne Hindernisse: Die IG Metall erhebt Vorwürfe gegen den Energie-Giganten, im Rahmen der Wahlen Beschäftigte unter Druck zu setzen.

Bei der Enercon-Tochter Gusszentrum Ostfriesland in Georgsheil bei Aurich habe es Beschäftigten zufolge »massive Einschüchterungsversuche durch den Arbeitgeber« gegeben. Mitarbeiter sollen gedrängt worden sein, Kandidaten der Geschäftsführung in den Wahlvorstand zu wählen. Einigen soll der Besuch der Wahlversammlung untersagt worden sein. Zudem sei mit der Streichung des Weihnachtsgeldes gedroht worden. IG-Metall-Chef Detlef Wetzel sagte der »Ostfriesen-Zeitung«, der Enercon-Konzern habe in den vergangenen Jahren »alles getan, um Arbeitnehmervertretungen zu verhindern«.

Insgesamt verlaufen die Betriebsratswahlen jedoch »nach Plan«, teilte die Gewerkschaft mit. Sie unterstützt die Beschäftigten beim recht komplizierten Prozedere: Der Konzern mit seinen weltweit etwa 13 000 Beschäftigten besteht aus einem unübersichtlichen Firmengeflecht mit einer Vielzahl selbstständiger Gesellschaften. So arbeiten in der Region Aurich/Emden etwa 4 000 Menschen in bis zu 25 unabhängigen Firmen. Die Fertigung der Einzelkomponenten - Schaltanlagen, Generatoren, Rotorblätter und Turmbau - findet in unterschiedlichen Tochtergesellschaften statt. Für jede muss ein eigener Betriebsrat gebildet werden.

Der Schwerpunkt der Wahlen liegt beim Stammsitz in Aurich und im zweitgrößten Werk in Magdeburg. Dort sind etwa 3 000 Beschäftigte auf ein Dutzend Firmen aufgeteilt. Anfang April waren Aktive der IG Metall an beiden Standorten unterwegs und informierten über die Möglichkeit der Betriebsratswahl.

Im Herbst vorigen Jahres hatten Beschäftigte von neun Enercon-Töchtern aus dem Bereich Service erstmalig Betriebsräte gewählt. Die Mitarbeiter sind bundesweit in der Montage und der Wartung der Windanlagen tätig und stimmten insgesamt über 77 Betriebsratsposten ab (»nd« berichtete).

Dieser Erfolg hatte sich offenbar herumgesprochen. Nach Angaben von Thomas Kersten, kürzlich bei einer der Enercon-Servicefirmen zum Betriebsrat gewählt, seien Kollegen aus Firmen, die bisher ohne Mitbestimmungsgremien auskommen mussten, auf ihn zugekommen, um sich über das Prozedere zu erkundigt.

In der ersten Aprilhälfte gingen Aktive der IG Metall vor den Werkstoren und zum Schichtwechsel auf die Beschäftigten zu. Über Flugblätter, auf Plakaten und insbesondere durch persönliche Gespräche wurden die Vorteile einer Mitarbeitervertretung im Betrieb erläutert. In einigen Fällen wurde über turnusmäßige Abstimmungen informiert. Unterstützung kam auch von Betriebsräten aus anderen Enercon-Firmen sowie von gewerkschaftlich organisierten Arbeitern aus anderen Branchen.

Mit insgesamt 20 000 Anlagen in über 30 Ländern ist Enercon auch international eines der führenden Unternehmen der Windenergiebranche. Unter dem Dach einer Holding sammeln sich mehr als 250 nationale und internationale Einzelgesellschaften. Laut Branchendienst »Deutsche WindGuard« beträgt Enercons Anteil an der installierten Leistung in der Bundesrepublik etwa 57 Prozent. Der Konzern liegt damit vor den Konkurrenten Vestas (24,2 Prozent) und Repower (11 Prozent). Die Holding erwirtschaftete laut Bundesanzeiger zuletzt 5,1 Milliarden Euro Umsatz.

Blog der IG-Metall: www.windstärke13.info

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