Panzer rückten in Donbass vor

Auch der »Rechte Sektor« macht mobil

  • Klaus Joachim Herrmann
  • Lesedauer: 2 Min.

Der Angriff des ukrainischen Militärs auf die von prorussischen Kräften verteidigten Kontrollpunkte an Zugängen zur ostukrainischen Stadt Slawjansk im Donezker Gebiet hatte am Donnerstagvormittag begonnen. Eine Barrikade war von deren Verteidigern in Brand gesetzt worden. Drei von acht Befestigungspunkten wurden gestürmt, einer später erneut besetzt. Auf die Stadt rückten nach Berichten örtlicher Medien zwei Panzerkolonnen der ukrainischen Armee vor.

Zivilisten wurden vom Bürgermeister aufgefordert, das Rathaus zu verlassen. Bürger der Stadt sollten in ihren Häusern bleiben. Schulen wurden auch in umgebenden Orten geschlossen. Das Rathaus von Mariupol ging nach zwei Monaten Besetzung wieder an regierungstreue Kräfte. Es war nach örtlichen Medienberichten unter Kontrolle von rund 100 Angehörigen der Nationalgarde.

In rund zehn weiteren Städten der südöstlichen Ukraine waren zu diesem Zeitpunkt Verwaltungsgebäude, Milizstationen und örtliche Geheimdienstfilialen weiterhin in der Hand von prorussischen Kräften. Sie fordern einen föderalen Staat mit weitgehenden Autonomierechten für das russisch geprägte Gebiet.

Die ukrainische Armee habe derzeit 11 000 Mann »gegen die friedliche Bevölkerung« im Einsatz, erklärte Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu laut RIA/Novosti. Die Kräfte seien ungleich verteilt. »Wenn diese Kriegsmaschine heute nicht gestoppt wird, dann wird dies zu einer großen Zahl Toter und Verletzer führen«, sagte der Minister.

In Artjomowsk hätten ukrainische Soldaten eine Offensive von etwa 100 Angreifern auf eines der größten Waffenlager der Ukraine abgewehrt, teilte Übergangspräsident Alexander Turtschinow in Kiew mit. Die Angreifer hätten »große Verluste« erlitten.

Die »Vollendung der nationalen Revolution« und jede Unterstützung seiner Anhänger im »Kampf gegen die Okkupanten« verkündete Dmitri Jarosch, Parteivorsitzender und Präsidentschaftskandidat des rechtsextremistischen »Rechten Sektors«. Dieser dürfe zwar keine eigenen militärischen Einheiten unterhalten, könne aber mit seinen Anhängern solche »Bataillone der territorialen Verteidigung« wie »Dnjepr« stärken.

Über die Aufstellung eines Spezialbataillon »Donbass« hatte Jarosch am Vortag informiert. »Zahlreiche Bürger der Region«, gab die Agentur UNIAN dessen Äußerungen auf einer Pressekonferenz wieder, hätten die Bitte geäußert, der »Rechte Sektor« solle »kommen und Ordnung schaffen«. Die Truppe soll rund 800 Mann stark und nach nur drei Tagen am Freitag formiert sein.

Das gesamte Vorgehen des »Rechten Sektors« sei mit den ukrainischen Sicherheitsbehörden und dem Innenministerium abgesprochen, betonte Jarosch. Der »Stab« der Partei sei vergangene Woche nach Dnjepropetrowsk verlegt worden. Dies ist bislang noch eine der eher ruhigen Regionen des umkämpften Südostens der Ukraine.

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