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OSZE-Team in der Ostukraine festgehalten

Prorussische Kräfte: Haben die OSZE-Mission nicht festgesetzt / Dänischer Minister: Vier Mitglieder von Bewaffneten entführt/ Kontakt zur Mission war am Montagabend verloren gegangen

  • Lesedauer: 3 Min.

Berlin. Ein seit einem Tag in der Ostukraine vermisstes Team von vier OSZE-Beobachtern befindet sich womöglich in der Hand von als prorussisch bezeichneten Kräften. Das teilte am Dienstag der dänische Handels- und Entwicklungsminister Mogens Jensen der Nachrichtenagentur Ritzau in einer Mail mit. Der dänische Beobachter und seine drei Kollegen, die im Rahmen einer auch von Russland unterstützen »Special Monitoring Mission« in der Ukraine Fakten zur Sicherheitslage sammeln und unabhängige Berichte verfassen sollen, würden von Bewaffneten festgehalten. »Wir verfolgen die Angelegenheit über unser Außenministerium und unsere Botschaft in Kiew. Wir stehen in engem Kontakt mit den Angehörigen«, sagte der Minister.

Dem widersprachen Vertreter der »Volksrepublik Donezk«. Man habe keinen Kontakt zu den verschwundenen OSZE-Beobachtern un diese auch nicht festgesetzt, hieß es. »Uns ist nichts bekannt über ihren Aufenthaltsort oder ihr Schicksal«, sagte Sprecher der als prorussisch bezeichneten kräfte, Miroslaw Rudenko, der Agentur Interfax. Die Kräfte seien aber bereit, bei der Suche nach den Beobachtern zu helfen.

Die Gruppe sei zwischen Donezk und dem Nachbargebiet Lugansk unterwegs gewesen, als der Kontakt am Montagabend abriss, hatte zuvor die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in Wien mitgeteilt. Seitdem habe es von den vier Teammitgliedern aus der Schweiz, Dänemark, Estland und der Türkei kein Lebenszeichen gegeben. Die Organisation habe Verbindung zur ukrainischen Regierung und zu Regionalbehörden aufgenommen. Es gebe bisher weder zu den Separatisten noch zu den Festgehaltenen einen direkten Kontakt. Man gehe aufgrund von indirekten Informationen davon aus, dass die Teammitglieder nicht in Lebensgefahr seien. Forderungen seien bisher nicht gestellt worden, hieß es. Es sei nicht das erste Mal, dass Mitglieder der Beobachtermission festgehalten würden, aber es habe noch nie so lange gedauert, hieß es.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter teilte die OSZE am frühen Abend auf Anfragen von Medien mit, es würden der Organisation »absolut keine Informationen darüber vorliegen, dass unser Team entführt wurde«. Man wolle Details zu den verschwundenen Beobachtern bekanntgeben, sobald sie verfügbar seien.

Der Kontakt zu der Mission war am Montagabend verloren gegangen. Die Gruppe sei auf einer Routine-Patrouille östlich von Donezk unterwegs gewesen. Für die OSZE sind derzeit 282 Beobachter in der Ukraine im Einsatz. Der Einsatz hat die Rückendeckung aller 57 OSZE-Staaten. Bereits Ende April waren internationale Militärbeobachter, darunter vier Deutsche, von Separatisten in Slawjansk tagelang festgehalten worden. Diese waren allerdings nicht im Rahmen der offiziellen OSZE-Mission in dem Land unterwegs, sondern auf Einladung der Übergangsregierung in der Ukraine. Dieser Einsatz hatte viel Kritik auf sich gezogen, die Bundesregierung hatte angekündigt, die Umstände der Entsendung aufzuklären. Die oppositionelle Linke hatte den Vorwurf erhoben, es habe sich um einen Spionageeinsatz in der Ukraine gehandelt.

ARD und ZDF ziehen vorerst ihre Teams aus Donezk ab, weil sich die Sicherheitslage in der Ostukraine innerhalb von 24 Stunden »enorm verschlechtert« habe. Die Berichterstattung bleibe aber von anderen Orten aus gewährleistet, teilten WDR und ZDF am Dienstag mit. Laut Auswärtigem Amt seien Medienvertreter besonders gefährdet. Zuvor war bekannt geworden, dass Militär der Übergangsregierung in Kiew den Flughafen der Millionenstadt wurde nach Angaben der Regierung in Kiew nach schweren Kämpfen zurückerobert habe. Bürgermeister Alexander Lukjantschenko sprach von mindestens 40 Toten, in russischen Medien war von bis zu 100 Toten die Rede. Unter den Opfern sollen sich auch zahlreiche Zivilisten befinden. Agenturen/nd

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