Deutsche Schuld und keine Sühne

Franco-Opfer erinnern Bundeskanzlerin Merkel an die Bomben der Legion Condor

  • Ralf Streck, San Sebastian
  • Lesedauer: 2 Min.
Bei ihrem Spanien-Besuch soll sich Bundeskanzlerin Merkel für die Unterstützung der Franco-Putschisten durch Nazi-Deutschland entschuldigen. Das fordern Opfer der Diktatur des Generals.

Wenn sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag und Montag in Spanien aufhält, wird sie von Opfern der Franco-Diktatur an die »historische Schuld« Deutschlands erinnert. Wenn sie mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy auf dem Jakobsweg in die Pilgerstadt Santiago de Compostela zieht, soll sie sich öffentlich für die Unterstützung der Putschisten durch die deutschen Faschisten entschuldigen und den von der Wehrmacht »angerichteten Schaden« anerkennen. Das geht aus einem Brief hervor, den die Vereinigung zur Wiedererlangung der historischen Erinnerung (ARMH) an die Bundeskanzlerin geschrieben hat. Spanien werde immer an seine Schulden und ihre Rückzahlung an Deutschland erinnert, »doch es existiert auch eine enorme Schuld des Landes, dem Sie vorstehen, gegenüber den Opfern der Franco-Diktatur«. Die ARMH erinnert an die »Bomben der Legion Condor, die auf die Zivilbevölkerung spanischer Städte herabregneten und den Beginn eines totalen Kriegs markierten«. Die Unterstützung derer, die unter Francisco Franco die Republik stürzten, sei entscheidend gewesen und habe Spanien über Jahrzehnte eine blutige Diktatur beschert. Erinnert wird an Zehntausende, die aus ihren Häusern gezerrt und erschossen wurden und noch immer in Massengräbern verscharrt liegen, an 30 000 geraubte Babys, an Folter, Vergewaltigungen und die Internierung in Konzentrationslagern.

Besonders bekannt ist, dass die Legion Condor das baskische Gernika an einem Marktmontag, dem 26. April 1937, in Schutt und Asche legte. Spanien sei in ein »Versuchsfeld« verwandelt worden. Es wurden Flächenbombardements geprobt, die das Herzstück einer neuen Kriegsführung wurden. Dass die Stadt praktisch ausgelöscht wurde, bezeichnete die Luftwaffe als »vollen Erfolg«.

Bundespräsident Roman Herzog hatte sich am 60. Jahrestag bei den Überlebenden der Stadt entschuldigt und sich zur »schuldhaften Verstrickung« bekannt. Eine Entschuldigung Spaniens bei den Basken blieb bisher ebenso aus wie eine deutsche Entschuldigung bei allen Opfern im Land. Die wird nun erneut gefordert und auch daran erinnert, dass sich Bundeskanzler Gerhard Schröder 2004 bei Polen entschuldigte. ARMH-Präsident Emilio Silva glaubt indes nicht, dass Angela Merkel dazu bereit ist. Das würde Rajoy »bloßstellen«. Spanien habe sich nicht einmal bei den Basken entschuldigt und tue nichts zur Wiederherstellung der historischen Erinnerung. Rajoys Volkspartei (PP) hat sich bisher nicht einmal von Putsch und Diktatur distanziert. Sie wurde von einem Mitglied der Franco-Regierung gegründet. Und mit Verweis auf Amnestiegesetze werden Ermittlungen in Spanien verhindert. Madrid weigert sich überdies, Folterer der Diktatur an Argentinien auszuliefern, wo ein Verfahren angestrengt wurde.

Silva berichtet, die deutsche Botschaft verweise bei Anfragen stets darauf, dass man sich nicht in innere Angelegenheiten einmische. Wohl aber würden Spanien von außen Kürzungs- und Sparprogramme aufgezwungen.

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