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Karl Lagerfeld und Rosa Luxemburg

Ein Kulturprojekt zeigt das »glamouröse« Neukölln

nd: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich mitten in Neukölln künstlerisch mit dem extravaganten Sujet des Glamour zu beschäftigen?

Seraphina Lenz: Das ist in der Tat ein Spannungsfeld. Da wir viel mit jungen Menschen arbeiten, interessieren wir uns vor allem für die Frage, was diese Welt den Jugendlichen bedeutet, aber auch generell den Bewohnern Neuköllns. Auf die Idee kam ich, weil ich bereits viele Jahre hier bin und auch festgestellt habe, in welchem Ausmaß mittlerweile Glitzer-T-Shirts mit glamourösen Aufschriften in Mode gekommen sind. Dem wollte ich auf die Spur kommen.

Welche Erkenntnisse brachte Ihnen diese Suche?

»Glamour« ist für die Jugendlichen und für die Kinder kein leeres Wort und auch nicht nur eine Scheinwelt. Sie sind zum Beispiel gar nicht begeistert von Paris Hilton, die gemeinhin als glamourös gilt. Für uns gehört zum Glamour eine Art von Leistung, Selbstüberwindung oder ein ganz spezieller Eigensinn. Glamour ist, wenn man den Mut hat, man selbst zu sein und die Kraft findet, die selbstbewusste Präsentation des eigenen Ichs bis ins Letzte auszureizen.

Haben Sie auch ein kritisches Verhältnis bei den Jugendlichen zu Promi-Hype und Schönheitswahn festgestellt?

Mein Eindruck ist, dass sie dazu keine allzu kritische Haltung einnehmen. Das war aber auch gar nicht unser Ziel, denn ich bin keine Sozialarbeiterin, sondern Künstlerin. Uns interessiert mehr der Glamour im Alltag. Die Kinder sollen sich in der Beschäftigung mit dem, was sie sein wollen und was sie sein sollen, abarbeiten und vielleicht über sich hinauswachsen.

Am Samstag steigt die große Abschlussrevue, eine »Show mit Tanz, Text, Sound und Vision«, wie es in der Ankündigung heißt. Was erwartet die Zuschauer?

Eine energetische Revue mit einigen Überraschungseffekten, weil wirklich bis zur letzten Sekunde vieles offen bleibt, um auch Vielen die Möglichkeit zu geben, noch mitzumachen. Es werden etwa 30 Kinder und zwei Profitänzer auf der Bühne stehen. Wir haben eine Choreographie mit Joe Parks entwickelt, die unsere Ideen in ein tanzbares Stück umgewandelt hat. Die Kinder haben aphoristische Texte von Menschen integriert, die für uns auf verschiedene Weise glamourös sind. Dazu gehören Karl Lagerfeld, Rosa Luxemburg, Oscar Wilde oder auch Albert Einstein. Außerdem gibt es ein geöffnetes Café, das Linsensuppe anbietet und natürlich viel Neuköllner Flair.

Glamourriese - Die Show. Weißer Riese in der Rungiusstraße 19, 6.9., 20.30 Uhr; www.die-werkstatt.blogspot.de

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