Feldkommandeur der Rebellen ermordet

Bekenntnis ukrainischer »Partisanen« zum Anschlag

  • Ulrich Heyden, Moskau
  • Lesedauer: 3 Min.
Eine ferngesteuerte Mine und Beschuss durch Maschinengewehre. Sechs Personen sterben: Die ukrainischen »Partisanen« rühmten sich am Samstag des Mordes am prominenten Rebellen-Kommandeur Mosgowoi.

Zunächst explodiert auf der Straße Altschewsk-Lugansk am Samstag eine ferngesteuerte Mine, dann wird der Jeep des Feldkommandeurs Alexej Mosgowoi von vier Seiten aus Maschinengewehren und großkalibrigen Waffen beschossen. Sechs Personen sterben, neben Mosgowoi auch dessen Pressesekretärin, zwei Leibwächter, sowie der Fahrer. Der Kommandeur der ukrainischen »Partisanen«-Einheit »Teni« (Schatten), Alexandr Gladky, übernahm via Facebook die Verantwortung für den Anschlag. In dem Bekennerschreiben wird er exakt beschrieben. Ein Foto des zerschossenen Jeeps wollen die »Partisanen« selbst aufgenommen haben.

Mosgowoi war seit Mitte 2014 Leiter des Freiwilligen-Bataillons »Prisrak« (Gespenst). Das operiert vorwiegend in der »Volksrepublik Lugansk« (LNR) war aber auch an der Entscheidungsschlacht in Debalzewo, wo im Januar 7000 ukrainische Soldaten eingekesselt wurden, beteiligt. Der 1975 im ostukrainischen Ort Nischnjaja Duwanka geborene Mosgowoi war vor dem Machtwechsel in Kiew Vertragssoldat der ukrainischen Armee und auch ein aktiver Musiker. Im Internet kursiert ein von ihm gesungenes Lied in ukrainischer Sprache. Mosgowoi präsentierte sich als Monarchist, trat aber für einen sozial gerechten Staat ein. Sein Bataillon engagiert sich auch in der Sozialarbeit und der Landwirtschaft. Zu »Prisrak« gehört eine »Freiwillige kommunistische Einheit« (DKO).

Zum 9. Mai 2015, an dem in der Ostukraine der Sieg der Roten Armee 1945 gefeiert wurde, lud Mosgowoi eine »Caravana Internacional Antifascista« in die Stadt Altschewsk ein, wo das Bataillon einen Stützpunkt hat. Zu der »Caravana« gehörte auch die italienische Ska-Punk-Gruppe Banda Bassotti, die von der Bevölkerung begeistert aufgenommen wurde.

Unmittelbar nach dem Mord teilte Juri Schewtschenko, neuer Kommandeur des Bataillons in einer Video-Ansprache mit, »es gibt Aufforderungen, den Tod von Mosgowoi zu rächen«. Man wisse aber nicht an wem man sich rächen solle. »Verrückte Theorien« seien jetzt falsch. So kursieren Gerüchte, hinter dem Anschlag stehe der Ministerpräsident der Volksrepublik Lugansk, Igor Plotnizki. Dieser räumte ein, er habe mit Mosgowoi »unterschiedliche Ansichten« gehabt. »Aber im Kampf für die Volksrepublik Lugansk standen wir Schulter an Schulter.« Plotnizki erklärte, der Mord an dem Feldkommandeur könne der ukrainischen Regierung nutzen, »die versucht, uns auf den unsicheren Weg einer neuen militärischen Eskalation zu stoßen«.

Unter linken Russen kursierte der Verdacht, auch »Moskauer Polittechnologen«, die auf eine schnelle Entspannung mit dem Westen aus seien, könnten hinter dem Mord an dem eigenwilligen »Prisrak«-Kommandeur stehen. Mosgowoi hatte immer wieder erklärt, man müsse die Grenzen der Volksrepubliken auf die Verwaltungsgrenzen der Gebiet Donezk und Lugansk ausdehnen. Nach dem Sieg über die »ukrainische Okkupationsarmee« müsse man sich dann die Oligarchen und Beamten vornehmen, »die auf das Volk spucken«.

Der Vorsitzende des Verteidigungskomitees der russischen Duma, Franz Klinzewitsch, erklärte, bei dem Mord »fühle« man »die Hand westlicher, insbesondere amerikanischer Geheimdienste«.

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