Verfrühte Abgesänge
Velten Schäfer über die Absage des AfD-Parteitages in Kassel
Dass bei boomenden Jungparteien Flügel- und Personalkämpfe einsetzen und über Delegiertenwahlen gestritten wird, ist nicht neu. Das haben zuletzt die Piraten und zuvor die neue Linkspartei auch mitgemacht. Dass aber, wie jetzt bei der AfD, gleich ein Parteitag abgesagt werden muss, zeugt von einem enormen Eskalationsgrad.
Dennoch sind, auch wenn man's bedauern mag, die jetzt aus SPD und FDP zu vernehmenden Abgesänge verfrüht, selbst wenn die Querelen die Truppe erstmals seit Langem unter fünf Prozent zu drücken scheinen. Denn der Eklat liegt zeitlich günstig: Die nächsten Wahlen sind erst im März 2016. Ein halbes Jahr bleibt den Blauen, ihren Streit zu entscheiden oder zumindest zu entschärfen.
Ob dabei das dem Gründer Bernd Lucke unterstellte Kalkül aufgeht, bei einem Basis- statt Delegiertenparteitag besser abzuschneiden, bleibt einstweilen dahingestellt - wie die Frage, ob dessen bürgerlicher Rechtsliberalismus und der Nationalpopulismus seiner Widersacher auf Dauer übereingebracht werden können. Für die AfD wäre dies das Beste. Sollte es aber beim Entweder-oder bleiben, hat wohl Frauke Petry recht und nicht Lucke, so unersetzbar er sich wähnt: Weit rechts ist im deutschen Parteienspektrum mehr Platz als in der dicht gedrängten Mitte - leider.
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