Dann eben einen »Leoclerc«

Baldige Vernunftehe: Deutscher und französischer Panzerbauer trauen sich

  • René Heilig
  • Lesedauer: 3 Min.
Plötzlich haben Panzer wieder Konjunktur. »Der Russe« sei schuld daran, heißt es. Deutsche und französische Rüstungskonzerne werden noch im Juli unter eine Decke kriechen. Profitsicherung ist das Motiv.

Plötzlich haben Panzer wieder Konjunktur. »Der Russe« sei schuld daran, heißt es. Man müsse dessen Stoßarmeen wenigstens ein paar eigene Bataillone entgegensetzen. Weshalb die Bundesregierung die Entwicklung rollender Stahlfestungen - ganz gegen ursprüngliche Absichten - auch zu einer nationalen Schlüsseltechnologie erklärte, die man besonders fördern wolle. Doch der nationale Panzerzug scheint abgefahren. Noch in diesem Monat wollen Vertreter der deutschen Panzerschmiede Krauss-Maffei-Wegmann (KMW) und des französische Staatskonzerns Nexter unter ein Dokument zum strategischen Zusammenschluss setzen. In ein paar Jahren will man fusioniert sein.

Im vergangenen Kalten Krieg liefen die KMW-Geschäfte glänzend. 2125 Leopard 2 bestellte die Bundeswehr, der Export war mehr als zufriedenstellend. Derzeit jedoch hat man im Verteidigungsministerium nach der Aufstockung der Panzertruppe um ein Bataillon »nur« noch 328 »Leos« in den Bestandsbüchern. Die Armeen der EU-Länder und jene, die in der NATO Beistandssolidarität verabredet haben, wurden in den vergangenen Jahren kleiner. Die Bundeswehr brauchte in Afghanistan schnelle wendige Panzerfahrzeuge - eine Forderung, die KMW mit dem »Dingo« gern erfüllte. Doch nun wird auch das missratene Abenteuer am Hindukusch runtergefahren. KMW-Chef Frank Haun sorgt sich sehr um die Interoperabilität der verbündete NATO-Streitkräfte. Man nutze zu viele unterschiedliche Systeme. Jeder habe seinen eigenen Panzer - und leider nicht immer den, den seine Firma baut. Obwohl der doch nach weit verbreiteter Ansicht in der Welt der beste der besten ist. Nun kommt die Forderung nach einem »Leo 3«. Den würde man ja gerne bauen, doch die Stückzahl lohnt den Aufwand kaum. Zumal der Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ja etwas hartleibig scheint, wenn es um Panzerexporte in Diktaturen geht. Jüngst erst hat er der deutschen Rüstungsindustrie einen Leoparden-Geschäft mit Saudi-Arabien versaut, nur weil das Vorhaben zu öffentlich geworden war.

Infos

Das staatliche französische Rüstungsunternehmen Nexter hat rund 2700 Beschäftigte. Ein Vorläufer des Konzerns baute 1916 gemeinsam mit Renault den ersten französischen Panzer FT.

Krauss-Maffei-Wegmann hat 3200 Mitarbeiter und bedient bislang Streitkräfte in 30 Staaten.

Noch schwören die Franzosen ja auf ihren »Leclerc«. Doch wenn das gemeinsam zu gründende Unternehmen, das einmal den Namen KANT tragen soll, gemeinsam einen »Leclerc« entwickeln könnte, wäre das schon ein Schritt in die richtige Richtung. Aus Unternehmenssicht.Dazu würde man sich bei den Artilleriesystem bestens ergänzen. Die schweren Brocken kämen aus Deutschland, die Kaliber darunter hat Nexter bereits im Programm.

Öffentlich redet man viel über gemeinsame Technologieentwicklung, von Effizienz-Wachstum durch Synergien. So ganz unumstritten ist die Grenzüberschreitung nicht. Vielen wäre es lieber, wenn KMW sich doch endlich mit Rheinmetall zusammentun könnte. Dann wäre Deutschland auf Dauer die Nummer 1 beim Bau schwerer Waffen. Doch die Rivalitäten zwischen den beiden deutschen Rüstungsschmieden scheint unüberwindlich. Nur unter unterschwelligem Zwang fand man sich zu Kooperation beim Bau des Transportpanzers »Boxer« und des Schützenpanzers »Puma« zusammen. Doch selbst wenn die beiden deutschen Rüstungsschmieden besser harmonisieren würden, bliebe ein Problem ungelöst. Der Export. 60 bis 80 Prozent der eigenen Rüstungsprodukte sollten in andere Länder gehen, hört man vom Verband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.

Solche Forderungen sind angesichts der deutschen Exportbeschränkungen nicht zu erfüllen. Wohl aber wenn man mit den Franzosen zusammengeht. Die sehen den Export von Mordwerkzeug nicht »so eng« und könnten in die Panzerehe auch neue Exportmärkte einbringen. Fragt sich, was das Hochzeitsgeschenk der Bundesregierung sein wird. Vermutlich läuft es auf stattliche Summen zur Förderung neuer Technologien hinaus. Schließlich gehört der Panzerbau ja wieder zu den unverzichtbar zu fördernden Schlüsseltechnologien.

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