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Klaus Joachim Herrmann über eine Attacke auf den ukrainischen Premier

  • Von Klaus Joachim Herrmann
  • Lesedauer: 1 Min.

Mit Präsident Poroschenko hätte der Abgeordnete Oleg Barna im Kiewer Parlament mehr Mühe gehabt. Doch der ukrainische Premier Jazenjuk ist von weit schmächtigerer Gestalt und gehört ja auch nicht der eigenen Partei »Blok Poroschenk«, sondern der verbündeten »Volksfront« an. So ließ er sich in der Werchowna Rada flott vom Rednerpult wegtragen. Weil der Premierminister nicht selbst zurücktreten wollte, versuchte das mit ihm der Kollege Barna von der Bruderfraktion zu erledigen. Er vergaß auch den Strauß roter Rosen zum Abschied nicht, kassierte aber trotzdem anschließend im Hohen Haus üble Prügel nach Art des Gassenlaufs.

Die Attacke offenbart nach früheren Handgreiflichkeiten, darunter auch gegen den KP-Fraktionschef, mehr als nur zweifelhafte Kultur. Das Verhältnis der herrschenden Fraktionen wirkt zerrüttet. Zudem wurde Jazenjuk just von US-Vizepräsident Biden, seinem bisherigen Gönner, zum Kampf gegen Korruption ermahnt und ist ihrer doch selbst verdächtig. Vor dem Staatsbankrott rettete ihn gerade noch eine Regeländerung des sonst so erbarmungslosen IWF. Die Ukrainer beklagen schmerzliche Inflation und Preissteigerungen vor allem bei Mieten und Energie. Mit seinem Anliegen steht der Angreifer jedenfalls nicht allein. Jazenjuk hat bereits solch geringes Ansehen, dass er mit seiner Partei zur jüngsten Regionalwahl nicht mehr anzutreten wagte.

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