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Mehr Betten und eine bessere Versorgung

Krankenhausplan: Geriatrie und Notfallversorgung werden gestärkt

Nicht nur die wachsende, sondern auch die alternde Bevölkerung in der Hauptstadt benötigt mehr medizinische Kapazitäten.

Berlins Bevölkerung wird älter - trotz der vielen jüngeren Zuwanderer. Eine Herausforderung für die Krankenhausplanung des Senats. 312 neue Betten sollen bis 2020 in der Geriatrie geschaffen werden, 60 davon in einem neuen, darauf spezialisierten Krankenhaus in Marzahn, das in Ergänzung zum Unfallkrankenhaus Berlin demnächst gebaut wird. Insgesamt sind gegenüber dem alten Plan 1324 neue Betten vorgesehen, die Hälfte davon existiert bereits, auch behördlich genehmigt.

Wolfgang Albers, gesundheitspolitischer Sprecher der Linksfraktion, kritisiert die Pläne, ein neues geriatrisches Fachkrankenhaus zu errichten, scharf. Es werde »gegen das Votum der entsprechenden Fachgesellschaften und ohne Zustimmung der Krankenkassen« in den Krankenhausplan aufgenommen. Er nennt das gesamte Papier eine »Luftnummer«.

Vorgestellt wurde der neue Krankenhausplan gestern im Lichtenberger Sana-Klinikum. Die dortige geriatrische Abteilung solle in Zukunft ebenfalls 60 Betten mehr bekommen, sagte Chefarzt Eric Hilf. Der Bedarf sei da und werde weiter wachsen, denn in Lichtenberg und Marzahn wird sich die Zahl der über 80-Jährigen bis 2030 verdoppeln.

Eric Hilf vertritt den Landesverband Geriatrie, der Mindestanforderungen formuliert. 17 von 25 entsprechenden Kliniken haben sich schon angeschlossen. Qualitätskriterien gelten auch für die neu zu schaffenden geriatrischen Betten, hebt Eric Hilf hervor: »Das ist fast noch wichtiger als der Bettenzuwachs selbst.« Es geht nicht nur um die Behandlung in Wohnortnähe, sondern auch um eine gute Verbindung von ambulanter und stationärer Versorgung. So ist ab einer Zahl von 45 Betten in der Altersmedizin der Betrieb einer Tagesklinik verpflichtend. »Es genügt nicht, bei den Hochbetagten in etwa den Harnwegsinfekt zu behandeln. Vor der Entlassung muss unser Sozialdienst die Wohnform kennen, in die der Patient zurückgeht, es muss klar sein, ob er im Alltag klarkommen wird, ob es andere Störungen gibt, die von Physiotherapeuten, Neuropsychiatern oder Logopäden festgestellt werden«, sagt Internist Hilf. In Lichtenberg werden in der Geriatrie pro Jahr 1700 Fälle stationär behandelt. Die Vergütung für diese Betten ist »nicht die Schlechteste«, wie Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) sagt. Beantragt wurden für den neuen Plan viermal so viel Betten wie letztlich zugelassen. Bei Bedarf ließe sich die Planung 2018 ergänzen.

Zu den weiteren Schwerpunkten des bereits im November vom Senat beschlossenen Planes gehört die Stärkung der Notfallversorgung. Auch hier sollen höhere Personalstandards durchgesetzt werden, so eine eigene ärztliche sowie Pflegeleitung für die Rettungsstellen.

Mit jeweils 107 und 109 Millionen Euro für 2016 und 2017 liegt die Hauptstadt bei Krankenhausinvestitionen nun im Mittelfeld der Bundesländer, nachdem sie jahrelang die rote Laterne trug. Laut der Berliner Krankenhausgesellschaft würden aber jährlich 240 Millionen Euro benötigt.

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