Nachrufe

Madeleine LeBeau

10. 6. 1923 - 1. 5. 2016

»Sie wird für immer das Gesicht der französischen Résistance sein«, sagte der Kulturminister des Landes, Audrey Azoulay, nun über Madeleine LeBeau. Damit würdigte er aber keine Kämpfe im Pariser Untergrund gegen die deutschen Besatzer, kein antifaschistisches Agieren im Schatten, sondern im Gegenteil: das stolze Schmettern der »Marseillaise« im grellen Scheinwerferlicht. Die 92-jährig verstorbene Schauspielerin wurde durch eine kurze Szene im Evergreen »Casablanca« unvergesslich, sie war die letzte Überlebende des Ensembles. Im Film singt sie tapfer gegen die von deutschen Soldaten angestimmte »Wacht am Rhein« an. Weil sie kurz zuvor von Rick verlassen wurde und/oder aus patriotischer Gefühlswallung strömen ihr dabei die Tränen übers Gesicht. In Großaufnahme ruft sie in den Schlussakkord: »Vive la France! Vive la Democratie!« Nach dem Krieg arbeitete LeBeau in Europa mit Regisseuren wie Federico Fellini an der Seite von Kollegen wie Marcello Mastroianni. Lange Zeit war sie enttäuscht, weil große Teile ihres Parts in »Casablanca« dem Schnitt zum Opfer gefallen waren - später erkannte und schätzte sie das Kultpotenzial gerade dieses kurzen Auftritts. tri

Klaus Goltermann

14. 11. 1943 - 2. 5. 2016

In der linken Szene der alten Bundesrepublik kannten ihn viele - zumindest seinen Decknamen »Willi«. Er organisierte früh die antimilitaristische Arbeit in Norddeutschland, war einer der maßgeblichen Gründer zunächst des Sozialistischen Arbeiter- und Lehrlingszentrums SALZ, dann des Kommunistischen Bundes in Hamburg. Fast ein Jahrzehnt lang war »Willi« faktischer - wenn auch nicht so titulierter - Chef des Leitenden Gremiums dieser Organisation. Öffentlich trat er nie auf, sein politisches Talent blieb organisationsintern. Ebenso unsichtbar blieb seine vielfältige Autorenschaft im »Arbeiterkampf«, der zeitweise mit rund 25 000 Exemplaren in der West-Linken recht einflussreichen KB-Zeitung, die als »ak - analyse & kritik« eine bis heute erscheinende Nachfolge fand. Erst Ende 1979, als sich die »Gruppe Z« aus dem KB abspaltete und am Entstehungsprozess der Grünen mitwirkte, publizierte »Willi« Klaus Goltermann mit Klarnamen, folgend auch in der Zeitschrift »Moderne Zeiten«. Nach dem Zerfall der »Gruppe Z« gründete er den Schallplattenladen »Zardoz« in Hamburg, siedelte schließlich nach Portugal um. Dort starb er mit 72 Jahren, er wurde - wie erst jetzt bekannt wurde - am 5. Mai in Loulé beigesetzt. jrs

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