Staatlich vertuschtes Doping

ARD-Doku mit neuen Vorwürfen gegen Russland

  • Von Alexander Isele
  • Lesedauer: 2 Min.

Für den russischen Leichtathletikverband kommt diese Veröffentlichung zum denkbar ungeeignetsten Moment: Am Mittwochabend stand in der ARD die Dokumentation »Geheimsache Doping - Showdown für Russland« im Programm, in der Sportminister Witali Mutko die Vertuschung von Doping vorgeworfen wird.

Im mittlerweile vierten Teil von »Geheimsache Doping« zeigt der ARD-Journalist Hajo Seppelt auf, dass das russische Dopingsystem viel weitreichender ist als bisher vermutet. Laut Seppelt reicht es bis in Regierungskreise hinein. So soll Sportminister Mutko - der nicht nur Mitglied der FIFA, sondern auch für die Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland verantwortlich ist - an der Vertuschung eines Dopingfalls beim Erstligafußballklub FK Krasnodar beteiligt gewesen sein. Der positiv getestete Spieler wurde nie gesperrt. Die Anschuldigungen gegen Mutko basieren auf vertraulichen E-Mails zwischen dem Sportministerium und einem Dopingkontrolllabor. »Die Entscheidung soll mit WL abgestimmt werden«, schrieb ein Mitarbeiter des Ministeriums an das Labor. »WL« soll für die Initialen Mutkos stehen, der zwei Vornamen hat: Witali Leontijewitsch.

Die neuen Vorwürfe lassen Zweifel aufkommen am Versprechen der russischen Funktionäre, die heimische Leichtathletik »zu reinigen«. Seppelt weist nach, dass nach den ersten Enthüllungen gesperrte Trainer weiterhin im Verborgenen arbeiten. Er spürte beispielsweise Wiktor Tschegin auf, den suspendierten Gehertrainer der russischen Nationalmannschaft, als der in der Provinz mit Spitzenathleten heimlich trainierte. Auch sollen internationale Dopingkontrolleure eingeschüchtert und bei der Arbeit behindert worden sein.

Der Kreml wies schon am Mittwoch alle Vorwürfe gegen Mutko zurück. Sprecher Dmitri Peskow sagte gegenüber der Agentur Interfax, die Führung in Moskau kämpfe gegen die Einnahme verbotener Präparate und werde »die Verleumdungen« nicht einfach hinnehmen. Auch Mutko selbst äußerte Kritik: Ziel der TV-Dokumentation aus Deutschland sei die Beeinflussung des Weltleichtathletikverbands vor der Entscheidung am 17. Juni.

Erst am Dienstag hatte Marc Vouillamoz, der Antidoping-Verantwortliche der UEFA, angekündigt, die russische Mannschaft bei der am Freitag beginnenden Fußball-EM verstärkt testen zu lassen.

Am 17. Juni wird der Weltleichtathletikverband IAAF entscheiden, ob die seit November 2015 bestehende Sperre des russischen Verbandes RusAF aufgehoben wird. Der Sperre vorausgegangen waren Enthüllungen der ARD im Jahr 2014, nach denen in der russischen Leichtathletik systematisch gedopt wird.

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