Bank of England lässt die Finger von den Zinsen

Geldpolitische Maßnahmen auf Grund des Brexits erst für August angekündigt

Die britische Finanzwelt hatte eigentlich mit neuen Geldspritzen gerechnet, da der Marktplatz London wegen des Brexits leidet. Doch die Bank of England belässt bis August alles beim alten.

Die Bank of England (BoE) überrascht die Finanzwelt: Die britische Notenbank belässt den Leitzinssatz vorerst bei 0,5 Prozent. Auf diesem Rekordtief liegt der Zinssatz bereits seit mehr als sieben Jahren. Beobachter hatten auf Grund des Brexit-Votums eine weitere Absenkung auf 0,25 Prozent erwartet. Dafür stimmte jedoch nur eins von neun Mitgliedern des geldpolitischen Ausschusses.

Die britische Finanzindustrie ist wegen des Brexits nämlich unter Druck. Es wird dort befürchtet, dass der Londoner Finanzplatz seine herausragende Stellung verliert, wenn das Land nicht mehr Teil der EU ist. BoE-Chef Mark Carney war ein entschiedener Brexit-Gegner und warnte regelmäßig vor negativen Auswirkungen eines Ausscheidens aus der Union. Die BoE hatte bereits Anfang Juni die Kapitalvorschriften für britische Banken gelockert.

Nun hat die BoE auch darauf verzichtet, wieder ein milliardenschweres Kaufprogramm zu aktivieren. Dies hatte sie bereits am Tag nach dem Referendum in Aussicht gestellt. Sie hat noch Wertpapiere in Höhe von 375 Milliarden Pfund in ihrer Bilanz, die sie im Zuge der Finanzkrise kaufte, um die Marktzinsen zu stützen. Die verstärkte Widerstandsfähigkeit des britischen Finanzsystems und die Flexibilität der Regulatorin hätten es ermöglicht, dass die Auswirkungen des Referendums gedämpft und nicht verstärkt worden seien, so die Zentralbank.

Doch Entwarnung wollten die Notenbanker nicht geben. Sie gehen davon aus, dass die Wirtschaft weitaus schwächer wächst als sie es noch im Mai annahmen. Damals gingen sie von einem Wirtschaftswachstum von 2,0 Prozent und einer Inflationsrate von 0,9 Prozent für 2016 aus. Im Mai lag die Inflationsrate auf Grund der niedrigen Energie- und Lebensmittelpreise bei 0,3 Prozent. Die BoE geht jedoch davon aus, dass die Preise auf Grund des schwachen Wechselkurses des Pfund bald wieder schneller steigen.

Zwar gebe es noch keine offiziellen Wirtschaftsdaten für die Zeit nach dem Referendum, doch dafür erste Anzeichen, dass der Ausgang der Abstimmung für eine Verschlechterung der Stimmung bei Haushalten und Firmen sorgt, teilte die Bank mit. So würden einige Unternehmen bereits Investitionen und Einstellungen verschieben.

Nun erklärten sich die Notenbanker dazu bereit, »alle nötigen Maßnahmen« zu ergreifen, um das Wirtschaftswachstum zu stärken und die Inflationsrate wieder auf die gewünschte Zielmarke zu bringen. Wie die Europäische Zentralbank verfolgt die britische Notenbank ein Inflationsziel von zwei Prozent. Wie diese Maßnahmen aussehen, will die BoE erst im August bekanntgeben. Für diesen Monat hat sie eine »Lockerung« ihrer Geldpolitik angekündigt. Erste mögliche Maßnahmen seien im Ausschuss besprochen worden, so die Notenbanker. Kommentar Seite 4

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