Kim, Krieg und Klügere
Klaus Joachim Herrmann über die Eskalation auf der koreanischen Halbinsel
In Anzug und mit Krawatte, wohlfrisiert auf der Ehrentribühne in Pjöngjang. Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un lässt sich von seinem Volke in perfekten Schaubildern bejubeln. Mehr sollte nicht nötig und möglich sein. Trotzdem ist der so gefeierte junge Mann damit ganz sicher noch lange nicht vom Typ »netter Kerl«. Das möchte er auch gar nicht sein. Denn über die Grenzen seines Landes hinaus will Kim beachtet und gefürchtet werden. Warum sonst ließe er Atombomben zusammenfügen und an Raketen schrauben, wenn nicht um des Respekt und Furcht gebietenden Effektes wegen. Andere, von denen alle sprechen, und weitere, von denen niemand spricht, machen es schließlich kaum anders.
Deren Rechte, Waffen und Machtrituale nimmt er auch für sich in Anspruch. So trotzt er mit seinem kleinen Land den USA, China und Russland, also gleich drei atomaren Supermächten, Beachtung ab und sichert sich selbst eine Art Unverletzlichkeit. In der Rolle des Außenseiters und Geächteten hat er sich eingerichtet, aus ihr zieht er ein Gutteil der Begründung seines provokanten Vorgehens. Ein weiterer Teil wird ihm frei Haus geliefert: mit Verachtung und Ignoranz, starken Worten, Sanktionen bis zum Boykott und militärischen Muskelspielen an den Land- und Seegrenzen. Es droht Krieg, wenn keiner der Klügere sein will.
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